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Brisante Konflikte um Eigentum in der Klimakrise

Januar 15 @ 18:00 - 21:00
Kostenlos
Brisante Konflikte um Eigentum in der Klimakrise. Prof. Hartmut Rosa (l.), Prof. Sylke van Dyk (m.) und Prof. Tilman Reitz, Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, aufgenommen in Jena am 09.07.2021. Foto: Anne Günther/Universität Jena

Brisante Konflikte – Wem gehört die Zukunft? Eigentum in Zeiten der Klimakrise. Abendveranstaltung am 15.01. im Volksbad.

Die Klimakrise stellt nicht nur technologische und ökologische Fragen, sondern rührt tief an den Grundfesten unserer Gesellschaft. Wer entscheidet über Land, Energie, Rohstoffe und Technologien. Wer profitiert von der Transformation und wer trägt ihre Kosten. Genau hier setzt der Sonderforschungsbereich „Strukturwandel des Eigentums“ der Friedrich Schiller Universität Jena und der Universität Erfurt an. Am 15. Januar 2026 laden die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einer öffentlichen Abendveranstaltung ins Volksbad Jena ein, um diese drängenden Fragen gemeinsam mit der interessierten Öffentlichkeit zu diskutieren.

Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass eine sozial ökologische Transformation ohne eine Neubewertung von Eigentumsverhältnissen kaum gelingen kann. Sieben interdisziplinäre Forschungsprojekte geben Einblicke in aktuelle Studien, die zeigen, wie eng Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Machtfragen miteinander verwoben sind. In Tischgesprächen haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, direkt mit den Forschenden ins Gespräch zu kommen und eigene Perspektiven einzubringen.

Warum Eigentum eine Schlüsselrolle für die Energiewende spielt

Ob Energiewende, Mobilität oder Landwirtschaft. Überall dort, wo Gesellschaften nachhaltiger werden wollen, entstehen neue Konflikte um Besitz, Nutzung und Kontrolle. Die ökologische Krise verschärft diese Auseinandersetzungen zusätzlich. Wer besitzt die Flächen für Windkraftanlagen. Wem gehören die Stromnetze. Wer kontrolliert die Patente für grüne Technologien. Solche Fragen entscheiden darüber, ob die Transformation gerecht verläuft oder bestehende Ungleichheiten weiter vertieft.

Silke van Dyk, Professorin für Politische Soziologie an der Universität Jena und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs, betont, dass Nachhaltigkeit nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie sozial verträglich gestaltet wird. Wenn bestimmte Gruppen die Lasten tragen, während andere die Gewinne einstreichen, verliert die Transformation ihre gesellschaftliche Akzeptanz. Deshalb richtet die Veranstaltung den Blick gezielt auf die Hürden, die in den aktuellen Eigentumsverhältnissen liegen.

Ressourcen, Macht und Verantwortung

Auch Hartmut Rosa, Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie und Ko Sprecher des SFB, hebt hervor, dass viele Debatten um Klimaziele und Technologien an einem entscheidenden Punkt vorbeigehen. Es wird oft über Effizienz und Akzeptanz gesprochen, aber selten darüber, wem die entscheidenden Ressourcen gehören. Der Wind selbst gehört zwar niemandem, doch die Energiewende entscheidet sich an sehr konkreten Eigentumsfragen. Wer besitzt das Land für Windräder. Wer kontrolliert die Netze. Wer profitiert von Investitionen und staatlicher Förderung.

Diese Machtfragen sind nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch relevant. Sie beeinflussen, wie schnell und in welche Richtung sich Gesellschaften verändern können.

Sieben Forschungsprojekte im direkten Austausch

Die Veranstaltung im Volksbad Jena gibt Einblicke in ein breites Spektrum an Forschungsansätzen. Philosoph Tilo Wesche stellt die provokante Frage, ob Natur selbst als Eigentumssubjekt gedacht werden kann. Könnten Flüsse, Wälder oder Berge eigene Rechte erhalten. Und wer würde diese vertreten. Solche Überlegungen könnten neue Wege für den Umwelt und Klimaschutz eröffnen.

Die Politikwissenschaftlerinnen Petra Gümplova und Verena Wolf widmen sich globalen Gemeingütern wie Ozeanen oder der Atmosphäre. Diese sind für alle Menschen lebenswichtig, werden aber gleichzeitig wirtschaftlich ausgebeutet. Ihre Forschung zeigt, wie schwierig es ist, solche Ressourcen wirksam zu schützen, wenn niemand eindeutig für sie verantwortlich ist.

Matthias Groß und sein Team beschäftigen sich mit der Frage, ob man Wind stehlen kann. Was zunächst ungewöhnlich klingt, verweist auf neue Konflikte rund um die Nutzung von Windkraft. Wenn Windräder ganze Landschaften prägen, entstehen neue Eigentums und Nutzungsfragen, die politisch geregelt werden müssen.

Globale Perspektiven auf grüne Technologien

Ein weiteres Projekt unter Leitung von Stefan Schmalz analysiert den Boom grüner Technologien in China. Welche Auswirkungen hat dieser auf die sozial ökologische Transformation in Deutschland. Wer dominiert die Märkte für Solaranlagen, Batterien oder Elektrofahrzeuge. Und welche Abhängigkeiten entstehen dadurch.

Anne Tittor richtet den Blick nach Südamerika. In Chile und Argentinien wird Wasserstoff als Schlüsseltechnologie der Zukunft produziert. Doch die Kosten dieser Entwicklung tragen oft die Menschen vor Ort, etwa durch Umweltbelastungen oder soziale Konflikte. Hier werden Eigentumsverhältnisse besonders sichtbar.

Klaus Dörre untersucht, warum sich Teile der Arbeiterschaft politisch nicht mehr vertreten fühlen. Ungelöste Verteilungsfragen können die Transformation blockieren, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie verlieren, während andere gewinnen.

Hartmut Rosa und Jörg Oberthür widmen sich schließlich der Frage, ob weniger Besitz und mehr Teilen ein Weg in eine nachhaltigere Zukunft sein kann. Plattformökonomien und neue Konsumformen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

Brisante Konflikte um Eigentum in der Klimakrise. Prof. Hartmut Rosa (l.), Prof. Sylke van Dyk (m.) und Prof. Tilman Reitz, Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, aufgenommen in Jena am 09.07.2021. Foto: Anne Günther/Universität Jena
Brisante Konflikte um Eigentum in der Klimakrise. Prof. Hartmut Rosa (l.), Prof. Sylke van Dyk (m.) und Prof. Tilman Reitz, Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, aufgenommen in Jena am 09.07.2021. Foto: Anne Günther/Universität Jena

Podiumsdiskussion mit Greenpeace und IG Metall

Im Anschluss an die Tischgespräche diskutieren Sophie Lampl von Greenpeace und Hans Jürgen Urban von der IG Metall mit den Forschenden und dem Publikum über politische Handlungsspielräume in der Klimakrise. Dabei geht es um die Frage, wie eng diese Spielräume mit Eigentums und Machtverhältnissen verknüpft sind.

Silke van Dyk betont, dass eine erfolgreiche Energie und Klimawende Infrastrukturen in öffentlicher Hand braucht. Nur wenn Energieversorgung, Netze und Schlüsseltechnologien demokratisch kontrolliert werden, lassen sich Profitinteressen begrenzen. Hartmut Rosa ergänzt, dass die ökologische Krise auch eine kulturelle Dimension hat. In einer auf Verfügbarkeit ausgerichteten Eigentumsordnung verlieren Menschen den Bezug zu dem, was sie besitzen und nutzen.

Termin im Überblick

Die öffentliche Veranstaltung „Wem gehört die Zukunft. Konflikte um Eigentum in der Klimakrise“ findet am Donnerstag, den 15. Januar 2026, von 18:00 bis 21:00 Uhr im Volksbad Jena in der Knebelstraße 10 statt. Im Anschluss stehen die Forschenden und Podiumsgäste auch Medienvertreterinnen und Medienvertretern für Interviews zur Verfügung.

Hashtags
#VolksbadJena #Klimadebatte #EigentumUndZukunft #UniJena #Sozialökologie

Gastgeber, UNI Jena | Foto,  Anne Günther // Universität Jena | Veranstaltungen im Eventkalender

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