Aktion für Frauenrechte und Gewaltfreiheit in Thüringen gestartet
Mit einer landesweiten Aktion haben die Thüringer Gleichstellungsbeauftragten gemeinsam mit der Landesgleichstellungsbeauftragten Nadja Sthamer ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung von Frauen gesetzt. Anlass ist die Ausstellung „WOMEN IN THE DARK – aufruhr des schweigens“ in der Kunsthalle Erfurt. Ziel der Initiative ist es, auf strukturelle Gewalt aufmerksam zu machen, Betroffene zu stärken und gesellschaftliche Verantwortung einzufordern.
Die Aktion fand im Kontext einer künstlerischen Installation statt, die noch bis zum 31. Mai 2026 in Erfurt zu sehen ist. Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis 22 Uhr besuchen.
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Kunstprojekt macht unsichtbare Gewalt sichtbar
Das internationale Kunstprojekt der Schweizer Künstlerin Franziska Greber basiert auf einem partizipativen Ansatz. Insgesamt 690 Frauen aus zwölf Bundesländern haben ihre persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung und Gewalt auf weiße Blusen geschrieben. Diese wurden mit rotem Permanentstift beschriftet und bilden in der Kunsthalle eine begehbare Rauminstallation.
Die weißen Blusen stehen symbolisch für Gewaltfreiheit und zugleich für Verletzlichkeit. Durch die persönliche Handschrift der Betroffenen entsteht eine unmittelbare, eindringliche Wirkung. Die Installation macht deutlich, wie verbreitet Gewalt gegen Frauen ist und wie selten sie öffentlich thematisiert wird.
Gleichstellungsbeauftragte setzen klares Signal
Begleitend zur Ausstellung trugen die Gleichstellungsbeauftragten weiße Blusen mit den Namen ihrer jeweiligen Städte und Landkreise. Damit transportierten sie die Botschaft der Ausstellung bewusst in den öffentlichen Raum Thüringens.
Dr. Kerstin Haupt, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena, betonte die gesellschaftliche Dimension der Aktion:
„Ein Leben ohne Gewalt ist ein Grundrecht. Frauen und ihre Geschichten müssen sichtbar werden. Wir rufen die Gesellschaft dazu auf, hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen.“
Zugleich richtete sie sich direkt an Betroffene und ihr Umfeld. Die Nutzung vorhandener Hilfsangebote sei ein entscheidender Schritt, um Gewalt zu entkommen und langfristige Unterstützung zu erhalten.

Hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt
Ein zentrales Thema der Ausstellung ist die geringe Anzeigebereitschaft bei häuslicher Gewalt. Schätzungen zufolge werden in Deutschland lediglich rund fünf Prozent der Fälle zur Anzeige gebracht. Diese hohe Dunkelziffer verdeutlicht den Handlungsbedarf auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.
Die Gleichstellungsbeauftragten sehen in der Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung. Gleichzeitig unterstützen sie politische Initiativen zur Stärkung des Gewaltschutzes. In diesem Zusammenhang begrüßten sie auch aktuelle Ankündigungen des Bundesjustizministeriums für weitergehende gesetzliche Regelungen.
Teil des Landesaktionsplans zur Istanbul-Konvention
Die Ausstellung ist Bestandteil des Thüringer Landesaktionsplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. Diese internationale Vereinbarung verpflichtet Staaten dazu, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, zu verfolgen und Betroffene zu schützen.
Durch die Verbindung von Kunst, politischer Arbeit und gesellschaftlichem Engagement entsteht ein interdisziplinärer Ansatz, der unterschiedliche Zielgruppen erreicht. Neben der Öffentlichkeit richtet sich das Projekt auch an Institutionen, Bildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger.
Kooperation ermöglicht Umsetzung in Erfurt
Die Realisierung der Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt erfolgte in Kooperation mit der Landesgleichstellungsbeauftragten und wurde finanziell unterstützt. Die Beteiligten würdigten insbesondere die Zusammenarbeit mit der Künstlerin sowie den Mut der teilnehmenden Frauen.
Die Installation verbindet persönliche Erfahrungsberichte mit einer kollektiven Darstellung struktureller Probleme. Dadurch entsteht ein Raum für Austausch, Reflexion und gesellschaftlichen Dialog.

Mehr Sichtbarkeit und stärkere Unterstützung
Die Initiatorinnen sehen in der Ausstellung einen wichtigen Impuls für weitere Maßnahmen im Bereich Gewaltschutz und Gleichstellung. Ziel ist es, bestehende Hilfsstrukturen weiter auszubauen und den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu erleichtern.
Parallel dazu bleibt die gesellschaftliche Sensibilisierung ein zentraler Faktor. Projekte wie „WOMEN IN THE DARK“ tragen dazu bei, das Schweigen zu durchbrechen und Gewalt sichtbar zu machen.
Betroffene können sich anonym und kostenfrei an das bundesweite Hilfetelefon unter der Nummer 116 016 wenden. Ergänzend stehen in Thüringen über 200 regionale Anlaufstellen zur Verfügung.
Die Ausstellung in Erfurt versteht sich somit nicht nur als künstlerisches Projekt, sondern als gesellschaftlicher Appell für mehr Aufmerksamkeit, Solidarität und konsequenten Gewaltschutz.
Weiterführende Links:
https://www.hilfetelefon.de/ und https://handle-jetzt.de/
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