Starke Hilfe für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz

In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Die Betreuung und Pflege dieser Menschen findet überwiegend im häuslichen Umfeld statt. In den meisten Fällen übernehmen Angehörige diese anspruchsvolle Aufgabe. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem. Gleichzeitig geraten viele von ihnen an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Genau hier setzt ein neues bundesweites Forschungsprojekt unter der Leitung der Friedrich-Schiller-Universität Jena an, das pflegende Angehörige gezielt entlasten und stärken soll.

Universität Jena leitet bundesweites Forschungsprojekt

Mit dem Projekt „AnDem-RoSe – Ressourcenrealisierung und Selbsthilfe für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz“ rückt die Universität Jena die psychische Gesundheit der pflegenden Angehörigen in den Mittelpunkt. Das Projekt wird vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss mit insgesamt rund drei Millionen Euro gefördert. Neben der praktischen Umsetzung erfolgt eine umfassende wissenschaftliche Begleitung. Ziel ist es, psychische Belastungen frühzeitig zu reduzieren und tragfähige, langfristig nutzbare Versorgungsstrukturen zu entwickeln.

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Straßenbahnkonzerte Erfurt 2026 mit Crepes Sucette. Foto: Benjamin Stolle
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Hohe Belastungen im Alltag der Pflege

Die Pflege von Menschen mit Demenz ist häufig ein jahrelanger Prozess. Angehörige unterstützen im Alltag, übernehmen organisatorische Aufgaben, koordinieren Arzttermine und geben emotionalen Halt in Phasen von Verwirrung oder Orientierungslosigkeit. Diese Verantwortung besteht oft parallel zu Berufstätigkeit, Familienleben und weiteren Verpflichtungen. Die dauerhafte Mehrfachbelastung führt bei vielen pflegenden Angehörigen zu Erschöpfung, Stress, Schlafproblemen sowie zu depressiven Symptomen oder Ängsten. Eigene Bedürfnisse werden häufig zurückgestellt, was die psychische Gesundheit zusätzlich gefährdet.

Präventive psychotherapeutische Hilfe durch AnDem-RoSe

AnDem-RoSe setzt bewusst präventiv an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Wilz vom Institut für Psychologie der Universität Jena entwickelt und erprobt das Projektteam ein psychotherapeutisches Unterstützungsangebot für besonders belastete pflegende Angehörige. Ziel ist es, vorhandene psychische Ressourcen zu stärken, den Umgang mit Belastungen zu verbessern und die Selbstfürsorge im Alltag nachhaltig zu fördern. Prof. Wilz engagiert sich seit vielen Jahren in Forschung und Praxis für die Unterstützung pflegender Angehöriger und bringt ihre umfangreiche Expertise in das Projekt ein.

Psychotherapeutische Gespräche flexibel nutzbar

Im Rahmen der Studie sollen etwa 350 pflegende Angehörige teilnehmen. Sie erhalten das Angebot von insgesamt zwölf psychotherapeutischen Gesprächen. Diese finden wahlweise telefonisch oder per Videotelefonie statt. Dadurch wird eine flexible Teilnahme ermöglicht, die sich gut in den Pflegealltag integrieren lässt. In den Gesprächen geht es unter anderem um das Verständnis der demenzbedingten Veränderungen, den Umgang mit Erschöpfung, Sorgen und Schuldgefühlen sowie um konkrete Strategien zur Entlastung und Selbstfürsorge.

Jena-Media Veranstaltungstipp:

Wigald Boning live im F-Haus Jena. Herr Boning geht baden.

Wigald Boning live im F-Haus Jena. Herr Boning geht baden. Foto: FB-Banner F-Haus Jena
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Digitales Online-Selbsthilfe-Tool als Ergänzung

Ergänzt wird das therapeutische Angebot durch ein digitales Online-Selbsthilfe-Tool. Dieses soll pflegenden Angehörigen zusätzliche Unterstützung bieten und ihnen helfen, selbstständig an belastenden Themen zu arbeiten. Um die Wirksamkeit des gesamten Angebots wissenschaftlich zu überprüfen, werden die Teilnehmenden zufällig einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeordnet. Nach sechs sowie nach zwölf Monaten wertet das Studienteam aus, in welchem Maß sich psychische Belastungen reduziert und das Wohlbefinden verbessert haben.

Starkes Konsortium für nachhaltige Versorgungsmodelle

Das Projekt AnDem-RoSe ist breit aufgestellt. Neben der Universität Jena sind mehrere renommierte Partner beteiligt. Dazu zählen die Robert Bosch Gesellschaft für medizinische Forschung mbH, die MSB Medical School Berlin sowie das Center for Health Economics Research Hannover der Leibniz Universität Hannover. Zusätzlich werden Krankenkassen, Interessenverbände und regionale Alzheimer-Gesellschaften eingebunden. Diese enge Vernetzung ermöglicht es, belastete Angehörige gezielt anzusprechen und praxisnahe Versorgungsmodelle zu entwickeln.

Zusammenarbeit mit Pflegekassen als Schlüssel

Eine zentrale Rolle spielt die Kooperation mit Pflegekassen, insbesondere mit der AOK Bayern als Konsortialpartner. Fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause betreut. Einen großen Teil dieser Pflege übernehmen Angehörige. Neben der körperlichen Belastung stellt dies eine erhebliche mentale Herausforderung dar. Digitale Versorgungsangebote wie AnDem-RoSe können hier gezielt ansetzen und pflegende Angehörige frühzeitig unterstützen. Langfristig sollen solche innovativen Angebote systematisch in die Regelversorgung integriert werden.

Starke Hilfe für pflegende Angehörige bei Demenz. Sophie Geßner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Psychologie, in einer Telefonsprechstunde für pflegende Angehörige von Demenzkranken (Foto: Nicole Nerger/Universität Jena)
Starke Hilfe für pflegende Angehörige bei Demenz. Sophie Geßner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Psychologie, in einer Telefonsprechstunde für pflegende Angehörige von Demenzkranken (Foto: Nicole Nerger/Universität Jena)

Teilnahme und Kontaktmöglichkeiten

Interessierte pflegende Angehörige erhalten weitere Informationen zum Projekt und zur Teilnahme bei Projektmitarbeiterin Sophie Geßner. Die Kontaktaufnahme ist telefonisch unter +49 3641 9-45173 oder per E-Mail an andemrose@uni-jena.de möglich. Telefonische Sprechzeiten sind montags von 10 bis 12 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 16 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten können Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.

Starke Entlastung für pflegende Angehörige

Das Forschungsprojekt AnDem-RoSe leistet einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz. Durch präventive psychotherapeutische Gespräche, digitale Selbsthilfeangebote und ein starkes Partnernetzwerk werden neue Wege in der Versorgung erprobt. Ziel ist es, die psychische Gesundheit der Angehörigen nachhaltig zu stärken und die häusliche Pflege langfristig zu sichern.

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Info, UNI Jena | Foto,  Nicole Nerger // Universität Jena | Veranstaltungen im Eventkalender