Alte Schwimmhalle in Lobeda-West: Wie geht es weiter?

Die Zukunft der alten Schwimmhalle im Stadtteil Lobeda-West in Jena nimmt konkrete Formen an. Mit einer Machbarkeitsstudie will die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Eigentümerin, der Jenaer Bäder und Freizeit GmbH, klären, welche Nachnutzung des Gebäudes realistisch, wirtschaftlich und langfristig tragfähig ist. Ein Zwischenstand wurde am 12. Februar 2026 im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt.

Damit beginnt eine entscheidende Phase für eines der markanten Gebäude in Lobeda-West. Viele Bürgerinnen und Bürger verbinden mit der ehemaligen Schwimmhalle persönliche Erinnerungen. Gleichzeitig steht die Stadt vor der Aufgabe, eine Nutzung zu finden, die sowohl gesellschaftlich sinnvoll als auch finanziell verantwortbar ist.

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Große Resonanz und vielfältige Ideen aus der Bürgerschaft

„Das Interesse an der Nachnutzung der alten Schwimmhalle ist groß. Es gibt viele gute Vorschläge, die wünschenswert sind und einen Mehrwert bieten würden. Aber die Entscheidung muss gut überlegt werden“, betont Dirk Lange, Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Jena. Man arbeite eng mit der Eigentümerin zusammen, um eine tragfähige Lösung zu entwickeln.

Bereits im Sommer 2024 hatte die Stadt eine Online-Umfrage durchgeführt. Rund 2.700 Personen beteiligten sich. Die Ergebnisse zeigen ein breites Spektrum an Vorstellungen. Genannt wurden unter anderem Sport- und Bewegungsangebote, kulturelle Nutzungen, Begegnungsräume sowie Freizeit- und Bildungsangebote für unterschiedliche Altersgruppen.

Diese hohe Beteiligung unterstreicht die Bedeutung des Standorts für den Stadtteil Lobeda-West und für ganz Jena. Die ehemalige Schwimmhalle wird nicht nur als Gebäude wahrgenommen, sondern als potenzieller Ort für Gemeinschaft, Kultur und Bewegung.

Machbarkeitsstudie soll Klarheit schaffen

Um aus Ideen konkrete Perspektiven zu entwickeln, wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Verantwortlich ist die Jenaer Bäder und Freizeit GmbH als Eigentümerin der Immobilie. Die Ergebnisse sollen bis Ende März 2026 vorliegen.

Ziel der Untersuchung ist es, bauliche, technische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen zu prüfen. Dabei geht es unter anderem um Fragen der Statik, des Brandschutzes, möglicher Umbaukosten sowie um Betriebskonzepte und langfristige Finanzierungsmodelle.

Erst auf Grundlage dieser Analyse kann entschieden werden, welche der vorgeschlagenen Nutzungen realistisch umgesetzt werden können. Die Stadt betont, dass Wunsch und Wirklichkeit sorgfältig abgeglichen werden müssen, um spätere Fehlinvestitionen zu vermeiden.

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Beteiligungsprozess mit zahlreichen Akteuren

Die bisherigen Ergebnisse der Bürgerbeteiligung fließen direkt in die Machbarkeitsstudie ein. Nach der Online-Umfrage folgte im Frühjahr 2025 ein dreistufiges Workshopverfahren. Daran beteiligt waren unter anderem der Stadtsportbund, umliegende Schulen, JenaKultur, das Jugendparlament, der Ortsteilbürgermeister sowie verschiedene Fachämter und städtische Einrichtungen.

Begleitet wurde der Prozess vom externen Büro „Die Zukunftsoptimisten UG“. Ziel war es, Ideen zu bündeln, Bedarfe zu konkretisieren und mögliche Synergien zwischen unterschiedlichen Nutzungsansätzen zu identifizieren.

Alte Schwimmhalle Lobeda-West vor entscheidender Zukunft. Foto: Illustration via KI
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Diskutiert wurde beispielsweise, den ehemaligen Beckenbereich für offene Freizeit-, Bewegungs- oder Kulturangebote zu nutzen. Weitere Flächen könnten als Proberäume, für subkulturelle Formate, Sportangebote oder gastronomische Konzepte dienen. Auch Mischformen stehen zur Debatte.

Temporäre Nutzung als Testphase möglich

Ein weiterer Ansatz besteht darin, einzelne Räume der alten Schwimmhalle bereits vor einer endgültigen Entscheidung temporär zu nutzen. Solche Zwischennutzungen könnten als Testlauf dienen, um zu prüfen, welche Angebote auf Resonanz stoßen und organisatorisch tragfähig sind.

Gerade für junge Initiativen, Vereine oder kulturelle Projekte könnten solche Übergangslösungen neue Räume eröffnen. Gleichzeitig erhält die Stadt wichtige Erkenntnisse für eine langfristige Entwicklung des Standorts.

Dieses Vorgehen entspricht modernen Ansätzen der Stadtentwicklung. Bestehende Gebäude werden nicht vorschnell aufgegeben, sondern schrittweise an neue Bedarfe angepasst. Insbesondere im wachsenden Oberzentrum Jena ist eine nachhaltige Flächennutzung von zentraler Bedeutung.

Hintergrund: Neue Bäderstruktur seit 2023

Die ursprüngliche Nutzung der Schwimmhalle in Lobeda-West endete mit der Eröffnung des neuen „Schwimmparadieses“ in der Karl-Marx-Allee im August 2023. Seitdem ist die Halle außer Betrieb. Ende November 2024 beauftragte der Jenaer Stadtrat die Stadtverwaltung, eine mögliche Nachnutzung systematisch zu prüfen.

Mit dem Neubau wurde die Bäderlandschaft in Jena grundlegend modernisiert. Gleichzeitig entstand die Herausforderung, für den Altbau eine neue Funktion zu definieren. Leerstand soll vermieden werden, um städtebauliche und soziale Nachteile zu verhindern.

Bedeutung für Lobeda-West und die Stadtentwicklung

Lobeda-West ist einer der bevölkerungsreichsten Stadtteile Jenas. Hier leben viele Familien, Studierende und ältere Menschen. Entsprechend vielfältig sind die Bedarfe an Freizeit-, Sport- und Begegnungsangeboten.

Die künftige Nutzung der alten Schwimmhalle kann einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur leisten. Sie könnte als Ankerpunkt für Vereine, Initiativen oder kulturelle Akteure dienen. Gleichzeitig ist eine wirtschaftlich tragfähige Lösung Voraussetzung, um den städtischen Haushalt nicht dauerhaft zu belasten.

Die Entscheidung hat daher Signalwirkung für die gesamte Stadtentwicklung in Jena. Sie zeigt, wie mit Bestandsgebäuden verantwortungsvoll und zukunftsorientiert umgegangen werden kann.

Blick auf Lobeda-West. Foto: Frank Liebold, Jenafotografx
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Entscheidung nach Vorlage der Studie

Mit der Fertigstellung der Machbarkeitsstudie bis Ende März 2026 wird eine belastbare Entscheidungsgrundlage vorliegen. Anschließend werden Verwaltung und politische Gremien die Ergebnisse beraten.

Erst dann wird sich konkret abzeichnen, welche Nutzungskonzepte weiterverfolgt werden. Klar ist bereits jetzt, dass die Stadt auf Transparenz und Beteiligung setzt. Die hohe Resonanz aus der Bürgerschaft soll auch in den weiteren Prozess einfließen.

Die alte Schwimmhalle in Lobeda-West steht damit an einem Wendepunkt. Ob Sportstätte, Kulturort oder multifunktionales Zentrum. Die kommenden Monate werden zeigen, welche Perspektive sich für das Gebäude in Jena eröffnet und wie es künftig das Leben im Stadtteil bereichern kann.

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