Bedeutungsvolle Begegnung mit Geschichte und Zukunft im Kibbuz Lehawot Chawiwa

Am 14. Januar fand ein besonderer Besuch im israelischen Kibbuz Lehawot Chawiwa statt. Im Mittelpunkt stand ein Brief des Jenaer Oberbürgermeisters Dr. Thomas Nitzsche, der als Zeichen der Verbundenheit und des Dialogs überreicht wurde. Der Besuch war geprägt von Erinnerung, persönlicher Begegnung und dem Blick in eine mögliche gemeinsame Zukunft zwischen Jena, insbesondere dem Ortsteil Wenigenjena, und dem Kibbuz Lehawot Chawiwa.

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Robert Büchler und die tiefe Verbindung zur Stadt Jena

Robert Büchler war Überlebender des Todesmarsches aus dem Konzentrationslager Buchenwald im Jahr 1945 und Mitgründer des Kibbuzes Lehawot Chawiwa. Zeit seines Lebens fühlte er sich der Stadt Jena eng verbunden und besuchte sie regelmäßig. Diese besondere Beziehung wurde kürzlich auch im Stadtbild sichtbar. In Wenigenjena wurde ein Weg nach Robert Büchler benannt, der an sein Schicksal, sein Engagement und seine Verbundenheit mit Jena erinnert.

Seine Tochter Ruthi Buchler-Hanesh und ihre Familie führen diese Tradition der Verbundenheit fort. Auch sie pflegen enge Kontakte nach Jena und engagieren sich für den Austausch zwischen den Orten. Für April ist ein erneuter Besuch von Frau Buchler-Hanesh in Jena geplant, der die Beziehungen weiter vertiefen soll.

Idee einer partnerschaftlichen Verbindung nimmt Gestalt an

Aus dieser gewachsenen Beziehung entstand eine neue Idee. Herr Rug vom Arbeitskreis „Sprechende Vergangenheit“ regte an, aus den bestehenden Kontakten eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Wenigenjena und dem Kibbuz Lehawot Chawiwa entstehen zu lassen. Diese Idee stieß auf große Zustimmung. Ortsteilbürgermeister Bastian Stein unterstützt das Vorhaben nachdrücklich. Das Thema wurde bereits im Ortsteilrat angesprochen und als wichtige Chance für Erinnerungskultur, Austausch und Verständigung gewürdigt.

Die Initiative verbindet lokale Erinnerungsarbeit mit internationalem Dialog. Sie zeigt, wie Geschichte Brücken schlagen kann und wie aus gemeinsamer Erinnerung neue Formen der Zusammenarbeit entstehen.

Besuch im Rahmen einer privaten Israelreise

Als Stadtrat nutzte Alexis Taeger eine ohnehin geplante private Reise nach Israel, um gemeinsam mit Frau Dorothea Leischnig von der Gemeinde im Lutherhaus den Kibbuz Lehawot Chawiwa zu besuchen. Ziel war es, persönliche Kontakte zu knüpfen und den Austausch mit der Sammelgemeinde Menasse aufzubauen, zu der der Kibbuz gehört.

Begegnung mit Geschichte und Zukunft im Kibbuz Lehawot Chawiwa. Alexis Taeger, Birgit Taeger, Keren Jakobovich, Ruthi Buchler-Hanesh, Dorothea Leischnig. Foto: Alexis Taeger
Begegnung mit Geschichte und Zukunft im Kibbuz Lehawot Chawiwa. Alexis Taeger, Birgit Taeger, Keren Jakobovich, Ruthi Buchler-Hanesh, Dorothea Leischnig. Foto: Alexis Taeger

Das Zusammentreffen wurde von Ruthi Buchler-Hanesh organisiert. Im Rahmen des Treffens stellte Frau Keren Jakobovich, stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Gemeinderates, die Sammelgemeinde Menasse vor. Sie erläuterte Struktur, Aufgaben und Besonderheiten des Regional Council Menashe und betonte die Offenheit für internationale Partnerschaften.

Brief des Oberbürgermeisters als Zeichen der Verbundenheit

Ein zentraler Moment des Besuchs war die Übergabe des Briefes von Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche sowie von Ortsteilbürgermeister Bastian Stein. Alexis Taeger überreichte das Schreiben an die Vertreterinnen und Vertreter der Sammelgemeinde Menasse. Der Brief unterstrich den Wunsch nach Austausch, Dialog und einer möglichen partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

In den Gesprächen herrschte Einigkeit darüber, dass partnerschaftliche Aktivitäten zwischen Jena und Menasse ausdrücklich begrüßt und unterstützt werden sollten. Der persönliche Austausch schuf Vertrauen und legte eine wichtige Grundlage für weitere Schritte.

Der Kibbuz Lehawot Chawiwa und seine bewegte Geschichte

Im weiteren Verlauf stellten Frau Susan Yitzhaki und Frau Hava Shik den Kibbuz Lehawot Chawiwa vor. Frau Shik überlebte die Shoah als Kind und berichtete eindrucksvoll von der Geschichte des Ortes. Der Kibbuz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Holocaustüberlebenden aus der Slowakei gegründet. Die Anfänge waren von großen Entbehrungen, harter Arbeit und dem gemeinsamen Willen geprägt, einen neuen Anfang zu wagen.

Bedeutungsvolle Begegnung: Jena und Kibbuz Lehawot Chawiwa. Foto: Alexis Taeger
Bedeutungsvolle Begegnung: Jena und Kibbuz Lehawot Chawiwa. Foto: Alexis Taeger

Frau Yitzhaki schilderte anhand einer Präsentation die schwierigen Startbedingungen und den Aufbau des Kibbuzes. Die Erzählungen machten deutlich, wie stark Gemeinschaftssinn, Solidarität und Hoffnung das Leben im Kibbuz bis heute prägen.

Geschichtsträchtiger Boden und lebendige Erinnerung

Besonders eindrucksvoll war der Hinweis auf die historische Bedeutung des Geländes, auf dem der Kibbuz steht. Frau Hava Shik sammelt Fundstücke, die immer wieder zufällig entdeckt werden und im Gemeinschaftshaus ausgestellt sind. Diese Funde erzählen von einer noch viel älteren Geschichte des Ortes.

Zu den ausgestellten Objekten gehören unter anderem Münzen mit den Portraits von Kaiser Konstantin und seiner Mutter Helena aus dem frühen 4. Jahrhundert. Sie verdeutlichen, dass Lehawot Chawiwa auf einem Boden steht, der seit Jahrhunderten von Menschen genutzt und geprägt wurde.

Erinnerung, Dialog und gemeinsame Perspektiven

Der Besuch im Kibbuz Lehawot Chawiwa war mehr als ein formeller Austausch. Er verband persönliche Erinnerungen mit politischem Dialog und eröffnete neue Perspektiven für eine partnerschaftliche Beziehung. Die Initiative zeigt, wie lokale Geschichte, internationale Begegnung und gemeinsame Werte miteinander verknüpft werden können.

Für Jena, insbesondere für Wenigenjena, bietet sich die Chance, Erinnerungskultur lebendig zu halten und zugleich neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Der Kibbuz Lehawot Chawiwa steht dabei als Symbol für Überleben, Neubeginn und gelebte Gemeinschaft.

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Info und Fotos, Alexis Taeger, Stadtrat (FDP) | Veranstaltungen im Eventkalender