Eine neue Forschungsgruppe untersucht Verschwörungstheorien – Universität Jena ist beteiligt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine neue Forschungsgruppe zu Verschwörungstheorien mit rund vier Millionen Euro. Das Verbundprojekt leitet die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Beteiligt sind die Friedrich-Schiller-Universität Jena und sechs weitere Forschungseinrichtungen. Die Forschenden untersuchen nicht nur die negativen Folgen von Verschwörungstheorien, sondern auch, welche Funktionen sie für Einzelne, Gruppen und Gesellschaften erfüllen können.

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Lange Nacht der Clubkultur Jena am 23.10.2026. Foto: Frank Liebold
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Vier Jahre Förderung, Verlängerung möglich

Die DFG fördert das Vorhaben in den kommenden vier Jahren. Anschließend ist eine Verlängerung um weitere vier Jahre möglich. Weitere Informationen bietet die Pressemitteilung der DFG „DFG fördert neun neue Forschungsgruppen“ vom 18. September 2026.

Koordiniert wird die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Roland Imhoff, der an der JGU die Abteilung Sozial- und Rechtspsychologie leitet. „Verschwörungstheorien werden bislang vor allem mit Blick auf ihre negativen Folgen untersucht“, sagt Imhoff. „Wir wollen diese Perspektive erweitern und systematisch fragen, welche psychologischen, sozialen oder gesellschaftlichen Funktionen sie unter bestimmten Bedingungen erfüllen können.“

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Ultimativ: Valley of the Sun live Rockkonzert 15.10. KuBa

Ultimativ: Valley of the Sun live Rockkonzert 15.10. KuBa. Foto: Kuba Jena
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Psychologie und Kommunikationswissenschaft arbeiten zusammen

Die Forschungsgruppe trägt den Titel „Jenseits des Wahnsinns: Die Analyse von Verschwörungsüberzeugungen unter Berücksichtigung von deren Vorteilen“. Forschende aus Psychologie und Kommunikationswissenschaft arbeiten darin zusammen. Die Verbindung beider Disziplinen soll ein umfassenderes Verständnis davon ermöglichen, wie Verschwörungstheorien wirken und welche Funktionen sie in verschiedenen Zusammenhängen erfüllen können.

Neben der JGU und der Universität Jena sind folgende Einrichtungen beteiligt:

  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Universität Mannheim
  • University of Southern Denmark in Odense
  • Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
  • Leibniz-Institut für Psychologie in Trier
Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien? Foto: Illustration via KI
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Drei Schwerpunkte: Politik, soziale Medien und psychologische Motive

Die Forschungsgruppe konzentriert sich auf drei Bereiche. Der erste Schwerpunkt sind Verschwörungstheorien in der Politik. Dort wird etwa untersucht, welche Rolle sie für politische Einstellungen, politisches Engagement und Identitätsbildung spielen. Außerdem geht es darum, wie sie mit Radikalisierung oder Misstrauen gegenüber Institutionen zusammenhängen.

Der zweite Schwerpunkt liegt auf sozialen Medien, in denen sich Verschwörungstheorien besonders schnell verbreiten und diskutiert werden. Drittens fragt die Forschungsgruppe nach den psychologischen Motiven, die solche Überzeugungen begünstigen. Genannt werden das Streben nach Kontrolle, nach Zugehörigkeit und nach einfachen Erklärungen für komplexe Ereignisse.

Funktionen und negative Folgen schließen sich nicht aus

Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass mögliche Funktionen von Verschwörungstheorien und ihre negativen Folgen kein Widerspruch sein müssen. „Was für Einzelne kurzfristig Orientierung, Zugehörigkeit oder das Gefühl von Kontrolle vermittelt, kann langfristig Misstrauen, gesellschaftliche Spaltung oder Radikalisierung fördern“, sagt Imhoff. Die Forschenden wollen genauer untersuchen, unter welchen Bedingungen diese unterschiedlichen Wirkungen entstehen und wie sie zusammenhängen.

Prof. Dr. Tobias Rothmund, Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, leitet das Jenaer Teilprojekt in der neuen DFG-Forschungsgruppe „Jenseits des Wahnsinns: Die Analyse von Verschwörungsüberzeugungen unter Berücksichtigung von deren Vorteilen“. Foto: Anne Günther // Uni Jena
Prof. Dr. Tobias Rothmund, Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, leitet das Jenaer Teilprojekt in der neuen DFG-Forschungsgruppe „Jenseits des Wahnsinns: Die Analyse von Verschwörungsüberzeugungen unter Berücksichtigung von deren Vorteilen“. Foto: Anne Günther // Uni Jena

Teilprojekt der Universität Jena: Führt Verschwörungsglauben zu weniger Verschwörungen?

Das Teilprojekt an der Universität Jena untersucht mögliche Funktionen von Verschwörungstheorien auf psychologischer und gesellschaftlicher Ebene. „Uns geht es im Kern um die Frage, ob Verschwörungsglauben eine abschreckende Funktion gegenüber echten Verschwörungen hat“, sagt Prof. Dr. Tobias Rothmund. Der Kommunikations- und Medienpsychologe beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Erleben von Ungerechtigkeit und der Wiederherstellung von Gerechtigkeit.

Rothmund nennt zwei mögliche Wirkungen: „Möglicherweise motivieren Verschwörungsüberzeugungen Menschen dazu, sich gegen erlebte Ungerechtigkeit aufzulehnen. Die öffentliche Sichtbarkeit von Verschwörungserzählungen könnte außerdem dazu führen, dass Verschwörungen tatsächlich weniger häufig stattfinden.“ Solche Situationen und Wirkungen sollen im Projekt unter anderem im Kontext von experimentellen Spielen simuliert und untersucht werden.

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