Eurokrise, Flüchtlingskrise, Krim- und Ukraine-Krise und nun Covid-19. Krisen und krisenhafte Ereignisse gehören zum menschlichen Leben. Heute wie einst. In der Frühen Neuzeit verbreitete die Pest in Europa Angst und Schrecken – weite Landstriche wurden während der Epidemie entvölkert. Heute hält beinahe die ganze Welt wegen Covid-19 den Atem an, zugleich verwüsten Heuschreckenschwärme weite Teile Ostafrikas und rufen dort eine Hungerkrise hervor. Auch Terroranschläge und kriegerische Auseinandersetzungen sind grausamer Alltag in vielen Teilen der Welt.

Nach der Krise ist vor der Krise

„Nach der Krise ist vor der Krise. Die Frage steht, was Krisen gemeinsam haben und wie wir ihnen begegnen können“, sagt Prof. Dr. Rafael Biermann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Politikwissenschaftler hat gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Christian Kreuder-Sonnen einen neuen Masterstudiengang konzipiert. Vom Wintersemester 2020/21 an sind Studierende aus Deutschland und der ganzen Welt eingeladen, in Jena „International Organisations and Crisis Management“ zu studieren. Wie Prof. Kreuder-Sonnen erläutert, werde besonders die Arbeit internationaler Regierungs- aber auch Nichtregierungsorganisationen untersucht, denn Krisen machen nicht vor Ländergrenzen Halt. Im Fokus stehen Organisationen wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation, das Internationale Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen. Der neue Studiengang ist international und englischsprachig konzipiert. Vier Semester lang können Studierende aus allen Ländern der Welt und unterschiedlichen Kulturen gemeinsam Krisen aus ihrer je eigenen Perspektive studieren.

Das passende Studium zur Krise – neuer Masterstudiengang an der FSU Jena

„Wir bedenken die Möglichkeiten und Grenzen internationalen Krisenhandelns ebenso wie die Versuchungen zum nationalen Alleingang und die Notwendigkeiten internationaler Koordination“, sagt Prof. Kreuder-Sonnen. Bedacht würden zudem die Legitimitätskrisen, in die Organisationen selbst geraten, wenn sie einer Krise nicht gerecht werden und reformiert werden müssen.

Pflichtsemester im Ausland

Der neue Studiengang „International Organisations and Crisis Management“ sieht ein Pflichtsemester im Ausland vor – an Universitäten wie Birmingham, Haifa oder Rhodes Island, wo ebenfalls Krisen und Organisationen studiert werden können. Vorgesehen sind zudem Seminare mit Praktikern ebenso wie Exkursionen zum Sitz internationaler Organisationen in Europa oder Praktika in Organisationen, Ministerien oder „Denkfabriken“. Eine regelmäßige Sommerschule wird sich diversen Krisenszenarien widmen.

Mit dem neuen Studiengang möchte das Institut für Politikwissenschaft der Uni Jena dazu beitragen, Erfahrungen wie die Corona-Krise langfristig zu bewahren und zu reflektieren, außerdem Experten mit breitem Krisenwissen für internationale Organisationen, nationale Verwaltungen, für Medien, Industrie und Wissenschaft auszubilden.

Internationale Studierende können sich bis zum 31. Juli bewerben, für Bewerbungen aus Deutschland endet die Frist am 15. September. Für Studieninteressierte mit formalen Fragen zum Bewerbungsprozess gibt das Master-Service-Zentrum Hilfe unter: master@uni-jena.de. Inhaltliche Fragen zum neuen Studiengang beantwortet der Studienberater unter: study-advisor.iocm@uni-jena.de.

Weitere Informationen unter: www.iocm.uni-jena.de/.

Info, FSU JENA // Axel Burchardt

Fotografik / Symbolfoto Dein-Jena.de