Studie der Universität Jena: Was internationale Studierende zum Bleiben in Thüringen brauchen

Viele internationale Studierende können sich vorstellen, nach ihrem Abschluss in Thüringen zu bleiben. Das zeigt eine Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Entscheidend für den Berufseinstieg sind demnach gute Deutschkenntnisse, Kenntnisse über Bewerbungsprozesse, frühzeitige Kontakte zu regionalen Unternehmen und eine Unternehmenskultur, die internationale Beschäftigte willkommen heißt. Die Studie zeigt, was Unternehmen, Hochschulen und weitere Akteure tun können, damit aus dem Studienort ein langfristiger Arbeits- und Lebensmittelpunkt wird.

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Aktuell: Special Olympics Schwimmen ab 25. September. Foto: Jürgen Scheere // Stadtwerke Jena
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Forschungsprojekt ARAPiS untersucht den Weg in den Thüringer Arbeitsmarkt

Die Ergebnisse stammen aus dem Forschungsprojekt „ARAPiS – Analyse der Rolle und des Arbeitsmarkt-Potenzials internationaler Studierender der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Kontext Thüringens“. Das Projekt untersuchte, welche Faktoren den Übergang internationaler Studierender in den Thüringer Arbeitsmarkt erleichtern und welche Hürden ihm entgegenstehen. Dafür befragten die Beteiligten internationale Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Thüringer Unternehmen.

An ARAPiS waren die Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeographie um Prof. Dr. Sebastian Henn, das KomRex – Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration mit Prof. Dr. Tobias Rothmund und der Professur für Kommunikations- und Medienpsychologie sowie das Internationale Büro und der Career Point der Universität Jena beteiligt. Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft förderte das Projekt aus dem Struktur- und Innovationsbudget.

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Anda Morts am 25.11. im Kassa Jena - ultimatives Punkkonzert. Foto: Fb-Eventbanner FKP Scorpio und Kassablanca Jena
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Potenzial für die Fachkräftesicherung in Thüringen

Für Thüringen ist die Frage besonders relevant, denn das Bundesland steht vor tiefgreifenden demografischen Umbrüchen. Internationale Studierende leben bereits mehrere Jahre im Freistaat, kennen ihr Umfeld und knüpfen während des Studiums soziale und berufliche Kontakte. Allein die Universität Jena entlässt jährlich rund 400 internationale Absolventinnen und Absolventen in den Arbeitsmarkt.

Wie groß das Potenzial bundesweit ist, zeigt ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Auftrag gegeben hat. Für den Jahrgang 2022 mit rund 79.000 internationalen Studienanfängern berechnet das IW je nach angenommener Bleibequote langfristig einen Überschuss für die öffentlichen Haushalte von 7,4 bis 26 Milliarden Euro. Die Steuern und Sozialabgaben der Absolventinnen und Absolventen übersteigen demnach im Laufe ihres Erwerbslebens die öffentlichen Ausgaben für Studium und weitere staatliche Förderungen deutlich.

Uni Jena: Studie nennt konkrete Wege in den Arbeitsmarkt. Foto: Frank Liebold
Uni Jena: Studie nennt konkrete Wege in den Arbeitsmarkt. Foto: Frank Liebold

Der Übergang vom Studium in den Beruf ist die entscheidende Phase

Nach den Befragungen sind Sprachkenntnisse, Bewerbungskompetenzen, Kontakte zu Arbeitgebern und die Offenheit von Unternehmen wesentliche Faktoren für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Dr. Claudia Hillinger, Leiterin des Internationalen Büros und des Career Point der Universität Jena sowie Projektleiterin von ARAPiS, sagt:

„Als Hochschulen müssen wir internationale Studierende noch stärker dafür sensibilisieren, welche Bedeutung gute Deutschkenntnisse für ihren Einstieg in den regionalen Arbeitsmarkt haben. Gleichzeitig kann Integration nur gelingen, wenn auch Unternehmen auf internationale Absolventinnen und Absolventen zugehen und ihnen eine echte Chance geben.“

Unternehmen könnten beispielsweise prüfen, wie sich der Erwerb von Deutschkenntnissen im Arbeitsalltag ermöglichen lässt.

Unternehmen und internationale Studierende früh zusammenbringen

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist nach den Ergebnissen von ARAPiS der frühzeitige Kontakt zwischen Studierenden und regionalen Arbeitgebern. Praktika, Werkstudierendentätigkeiten, Abschlussarbeiten in Kooperation mit Unternehmen und Netzwerkveranstaltungen geben internationalen Studierenden Einblicke in den Thüringer Arbeitsmarkt. Unternehmen lernen so potenzielle Fachkräfte kennen.

Die Studie empfiehlt Unternehmen außerdem zu prüfen, ob ihre Rekrutierungsprozesse internationale Bewerberinnen und Bewerber tatsächlich erreichen. Dazu gehören verständliche Stellenausschreibungen, die transparente Kommunikation der benötigten Deutschkenntnisse und, wo möglich, englischsprachige Informationen. Unternehmen können zudem ihre Sichtbarkeit gegenüber internationalen Studierenden erhöhen und Hochschulangebote zur Vernetzung stärker nutzen.

Hochschulen: Sprache und Bewerbungskompetenzen fördern

Auch die Hochschulen sind gefragt. Internationale Studierende sollten frühzeitig über die Anforderungen des deutschen und des regionalen Arbeitsmarktes informiert werden. Neben fachlichen Qualifikationen spielen insbesondere Deutschkenntnisse und Kenntnisse über Bewerbungsprozesse eine wichtige Rolle.

Sprachenzentren, Career Services und andere Hochschuleinrichtungen können mit Sprachkursen, individueller Beratung, Bewerbungstrainings, Vorträgen und Netzwerkveranstaltungen unterstützen. ARAPiS empfiehlt, die Bedeutung des Spracherwerbs stärker an internationale Studierende heranzutragen und sie möglichst früh im Studium für berufliche Perspektiven nach dem Abschluss zu sensibilisieren.

Internationale Studierende in Thüringen: Konkrete Hürden. Foto: C. Worsch // Uni Jena
Internationale Studierende in Thüringen: Konkrete Hürden. Foto: C. Worsch // Uni Jena

Willkommenskultur betrifft die gesamte Organisation

Die Unternehmensbefragung zeigt unterschiedliche Einstellungen zur Beschäftigung internationaler Fachkräfte, von großer Offenheit und etablierten Erfahrungen bis zu deutlicher Zurückhaltung. Die Handlungsempfehlungen setzen deshalb nicht allein bei der Rekrutierung an. Die nachhaltige Integration internationaler Fachkräfte kann für Unternehmen einen Veränderungsprozess bedeuten, der die gesamte Organisation betrifft und gegebenenfalls professionell und sensibel begleitet werden muss.

Dazu gehört, die Belegschaft auf die Zusammenarbeit in internationalen Teams vorzubereiten und interkulturelle Kompetenzen zu schulen. Unternehmen sollten zudem Anlauf- und Meldestrukturen schaffen, an die sich internationale Mitarbeitende bei Diskriminierung wenden können.

Auch Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft übernehmen nach den Empfehlungen eine unterstützende und vernetzende Rolle. Empfohlen werden unter anderem Weiterbildungs- und Beratungsangebote für Unternehmen und Hochschulen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Career Services und regionalen Arbeitgebern. Englischsprachige Informations- und Unterstützungsangebote können internationalen Studierenden und Absolventen den Zugang zu Unternehmen und Arbeitsmarkt zunächst erleichtern. Sie ersetzen jedoch nicht den Erwerb deutscher Sprachkenntnisse, die für eine langfristige berufliche Integration eine zentrale Voraussetzung bleiben.

Hillinger sagt dazu: „Internationale Studierende haben sich mit ihrem Studium bereits für Thüringen entschieden. Dieses Potenzial sollten wir nicht ungenutzt lassen. Damit aus einem Studienort aber auch ein dauerhafter Arbeits- und Lebensmittelpunkt wird, braucht es die Zusammenarbeit von Hochschulen, Unternehmen und weiteren Akteuren in der Region.“

Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen online abrufbar

Der Abschlussbericht mit den ausführlichen Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Hochschulen und internationale Studierende steht auf der Seite ARAPiS beim Career Point der Universität Jena zur Verfügung. Eine englischsprachige Fassung soll ebenfalls veröffentlicht werden.

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