Vergessene Wegameise in Jena. Fachgutachten untersucht Ausbreitung invasiver Ameisenart.

In Jena wird die Ausbreitung der eingeschleppten Vergessenen Wegameise (Lasius neglectus) jetzt wissenschaftlich untersucht. Nachdem bereits im vergangenen Jahr erstmals über auffällige Ameisenvorkommen in der Innenstadt, insbesondere im Damenviertel, berichtet wurde, sind inzwischen auch aus weiteren Stadtteilen sowie aus teilweise naturnahen Bereichen entsprechende Meldungen eingegangen. Das Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt hat deshalb ein Fachgutachterbüro beauftragt, das tatsächliche Ausmaß der Ausbreitung zu erfassen.

Ziel der Untersuchung ist es, Schwerpunkte des Vorkommens im gesamten Stadtgebiet zu identifizieren und damit eine Grundlage für künftige Bekämpfungsmaßnahmen zu schaffen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Maßnahmen zwischen privaten Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern sowie öffentlichen Einrichtungen besser aufeinander abzustimmen.

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Nicht jede Ameisenart verursacht Probleme

Die Stadt weist darauf hin, dass auffällige Ameisenvorkommen nicht automatisch auf eine problematische Art hindeuten. In Deutschland leben über 110 heimische Ameisenarten. Zu den bekannten Vertretern gehören unter anderem Waldameisen, Knotenameisen und Roßameisen. Sie sind ein natürlicher Bestandteil heimischer Ökosysteme und erfüllen dort wichtige ökologische Funktionen.

Auch heimische Ameisen gelangen auf Nahrungssuche gelegentlich in Gebäude oder Wohnungen. Nach den vorliegenden Informationen entstehen dadurch in den meisten Fällen keine größeren Schäden. Wer sich dennoch beeinträchtigt fühlt, kann sich an eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung wenden. Dort kann ebenfalls geprüft werden, ob möglicherweise eine geschützte Ameisenart betroffen ist, deren Entfernung einer behördlichen Genehmigung bedarf.

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Vergessene Wegameise bildet große Superkolonien

Anders stellt sich die Situation bei der Vergessenen Wegameise dar. Die ursprünglich aus Vorderasien stammende Art gilt als eingeschleppt und kann sogenannte Superkolonien bilden. Diese bestehen aus mehreren Hundert Ameisenvölkern mit Millionen einzelner Tiere.

Für Menschen und Haustiere stellt die Art nach den vorliegenden Informationen keine unmittelbare Gefahr dar. Durch ihr massenhaftes Auftreten kann sie jedoch erhebliche Beeinträchtigungen verursachen. Dazu zählen Belastungen im Wohnumfeld sowie Schäden an Straßen, Wegen, Gebäuden oder Stromverteilerkästen.

Vergessene Wegameise in Jena. Fotografik: Illustration via KI
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Die Vergessene Wegameise zählt zu den kleineren Ameisenarten. Sie erreicht eine Körpergröße von etwa 2,5 bis 3,5 Millimetern und ist dunkel bis schwarzbraun gefärbt. Eine sichere Bestimmung gegenüber ähnlichen Arten ist ausschließlich durch Fachleute möglich.

Fachgutachten soll Ausbreitung wissenschaftlich erfassen

Nach der Bestätigung der eingeschleppten Ameisenart setzt das beauftragte Fachgutachterbüro auf wissenschaftliche Erfassungsmethoden. Hierfür werden sogenannte Köderfallen eingesetzt. Sie dienen dazu, Vorkommen der Vergessenen Wegameise systematisch nachzuweisen und deren Verbreitung innerhalb des Stadtgebietes zu dokumentieren.

Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine gezielte Planung weiterer Maßnahmen. Gleichzeitig sollen sie helfen, Prioritäten für zukünftige Bekämpfungsstrategien festzulegen.

Koordinierte Bekämpfung als Voraussetzung für langfristigen Erfolg

Nach Angaben der Stadt kann eine wirksame Bekämpfung der Vergessenen Wegameise nur gelingen, wenn Maßnahmen zeitlich und räumlich aufeinander abgestimmt werden. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit zwischen privaten Eigentümerinnen und Eigentümern sowie öffentlichen Stellen erforderlich.

Die Kosten für Maßnahmen auf privaten Grundstücken tragen grundsätzlich die jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümer selbst. Die Stadt übernimmt die Kosten für kommunale Gebäude, öffentliche Flächen sowie den Straßenraum.

Zum Einsatz kommen spezielle Ködergele und Ködergranulate, die von Fachfirmen ausgebracht werden. Die Wirkstoffe werden von den Ameisen in ihre unterirdischen Nester transportiert und dort an Königinnen sowie Brut weitergegeben.

Ameisen in Jena. Präzise Untersuchung zur Ausbreitung. Foto: Illustration via KI
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Bürgerinnen und Bürger können die Untersuchung unterstützen

Die Stadt bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Erfassung weiterer Vorkommen. Wer den Verdacht hat, die Vergessene Wegameise entdeckt zu haben, kann einige Exemplare in einem kleinen, dicht verschließbaren Gefäß sammeln und beim Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt, Am Anger 26, abgeben.

Für die wissenschaftliche Auswertung werden folgende Angaben benötigt:

  • genauer Fundort
  • Funddatum
  • Name der Finderin oder des Finders
  • Kontaktmöglichkeit für Rückfragen

Die eingereichten Proben werden an das beauftragte Fachgutachterbüro weitergegeben und können wichtige Hinweise auf weitere Kolonien liefern.

Anonyme Meldungen reichen für eine Bestimmung nicht aus

Nach Angaben der Stadt helfen anonyme Einträge im Mängelmelder ohne Belegexemplare bei der Untersuchung nicht weiter. Da die Vergessene Wegameise nur durch fachkundige Bestimmung sicher identifiziert werden kann, sind aussagekräftige Proben für das Gutachten von besonderer Bedeutung.

Die Ausbreitung der invasiven Ameisenart stellt nach Einschätzung der Stadt eine komplexe Herausforderung dar. Kurzfristige Einzelmaßnahmen reichen nicht aus, um bestehende Populationen dauerhaft einzudämmen. Die laufende Untersuchung soll deshalb die fachliche Grundlage für ein koordiniertes und langfristig angelegtes Vorgehen gegen die Vergessene Wegameise in Jena schaffen.

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