Studierendenbeirat Jena: Wohnraum statt Parkhaus am Inselplatz. Forderung nach Prüfung neuer Nutzungsmöglichkeiten.
Der Studierendenbeirat der Stadt Jena spricht sich für eine Neuausrichtung der bislang unbebauten Fläche am Inselplatz aus. Vor dem Hintergrund der angespannten Wohnraumsituation in der Saalestadt fordert das Gremium die Stadtverwaltung auf, die Möglichkeiten für eine Wohnbebauung auf dem Areal zeitnah zu prüfen. Grundlage dafür könnten die neuen gesetzlichen Regelungen des sogenannten „Bau-Turbos“ sein, die Kommunen zusätzliche Handlungsspielräume bei der Schaffung von Wohnraum eröffnen.
Im Fokus der Überlegungen steht insbesondere die Schaffung von studentischem Wohnraum sowie Wohnungen für Angehörige der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach Ansicht des Studierendenbeirats bietet die Fläche am Inselplatz aufgrund ihrer Lage und vorhandenen Infrastruktur ideale Voraussetzungen für ein entsprechendes Wohnungsbauprojekt.
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Freie Fläche am Universitätscampus bietet Entwicklungspotenzial
Mit dem neuen Universitätscampus am Inselplatz ist in den vergangenen Jahren ein bedeutender Wissenschaftsstandort im Herzen Jenas entstanden. Obwohl einzelne Bauarbeiten weiterhin laufen, wird der Campus bereits von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden genutzt.
Im ursprünglichen Bebauungsplan war auf der östlichen Seite des Geländes in Richtung der Straße Am Anger die Errichtung eines Parkhauses vorgesehen. Das betreffende Grundstück befindet sich im Eigentum der Stadt Jena.
Der Studierendenbeirat hatte sich bereits während der Beratungen zum Bebauungsplan mehrfach gegen diese Nutzung ausgesprochen. Aus Sicht des Gremiums entspricht ein Parkhaus an diesem Standort nicht dem Mobilitätsverhalten der überwiegenden Mehrheit der Studierenden und Universitätsangehörigen.
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Studierendenbeirat sieht geringen Bedarf für Parkhaus
Nach Einschätzung des Beirats nutzen viele Studierende für ihren täglichen Weg zur Universität vor allem den öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad oder gehen zu Fuß. Der Bedarf an zusätzlichen Pkw-Stellplätzen sei daher vergleichsweise gering.
„Schon bei der Aufstellung des Bebauungsplans haben wir deutlich gemacht, dass ein Parkhaus an diesem Standort nicht den tatsächlichen Bedürfnissen der Studierenden entspricht. Gleichzeitig fehlt es in Jena seit Jahren an bezahlbarem Wohnraum. Die freie Fläche bietet die Chance, auf ein drängendes Problem eine sinnvolle Antwort zu geben“, erklärt Scania Sofie Steger, Vorsitzende des Studierendenbeirats der Stadt Jena und Stadträtin.
Trotz dieser Einwände wurde das Parkhaus zunächst in die Planungen aufgenommen. Die Umsetzung scheiterte jedoch an den stark gestiegenen Baukosten. Auch eine später diskutierte Kombination aus einem Gründungszentrum für Start-ups und einem verkleinerten Parkhaus wurde nicht realisiert.
Damit steht die Fläche weiterhin für alternative Nutzungsformen zur Verfügung.

Bau-Turbo eröffnet neue Perspektiven für Wohnungsbau
Mit den neuen gesetzlichen Regelungen zum sogenannten Bau-Turbo sieht der Studierendenbeirat nun eine Möglichkeit, die Fläche stärker an den aktuellen Bedürfnissen der Stadtentwicklung auszurichten.
Insbesondere die Schaffung zusätzlichen Wohnraums wird als dringliche Aufgabe angesehen. Jena gehört seit Jahren zu den Städten mit einem angespannten Wohnungsmarkt. Studierende, Auszubildende sowie junge Berufstätige stehen häufig vor der Herausforderung, bezahlbare Wohnungen in Hochschulnähe zu finden.
„Jena braucht jede zusätzliche Wohnung, die schnell und nachhaltig geschaffen werden kann. Gerade für Studierende und junge Menschen ist die Wohnraumsituation eine große Herausforderung. Deshalb sollte die Stadt die neuen Möglichkeiten des Bau-Turbos konsequent nutzen und prüfen, ob am Inselplatz Wohnraum entstehen kann“, sagt Pascal Zillmann, stellvertretender Vorsitzender des Studierendenbeirats.
Gespräche mit Wohnungsunternehmen und Partnern angeregt
Der Studierendenbeirat fordert die Stadt Jena dazu auf, die rechtlichen und planerischen Rahmenbedingungen einer Wohnbebauung auf der Fläche umfassend zu prüfen. Gleichzeitig sollten Gespräche mit potenziellen Projektpartnern aufgenommen werden.
Als mögliche Akteure nennt das Gremium das Studierendenwerk Thüringen, die kommunale Wohnungsgesellschaft JenaWohnen sowie die örtlichen Wohnungsgenossenschaften. Ziel sei es, frühzeitig auszuloten, ob ein gemeinsames Wohnungsbauprojekt realisiert werden kann.
Durch die unmittelbare Nähe zur Friedrich-Schiller-Universität, die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie die bereits vorhandene Erschließung des Grundstücks sieht der Studierendenbeirat besonders günstige Voraussetzungen für eine Wohnnutzung.

Wohnraum als Beitrag zur Stadtentwicklung
Nach Auffassung des Studierendenbeirats könnte eine Wohnbebauung am Inselplatz nicht nur zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen, sondern auch die Entwicklung des Universitätsstandorts sinnvoll ergänzen.
Die Nähe zu Hörsälen, Forschungseinrichtungen und universitären Angeboten würde insbesondere Studierenden kurze Wege ermöglichen. Gleichzeitig könnten zusätzliche Wohnungen die Attraktivität Jenas als Hochschul- und Wissenschaftsstandort weiter stärken.
„Die Fläche liegt in unmittelbarer Nähe zur Universität, ist hervorragend angebunden und bereits erschlossen. Bessere Voraussetzungen für zusätzlichen Wohnraum gibt es kaum. Jetzt sollte die Stadt die Gelegenheit nutzen und die notwendigen Gespräche aufnehmen“, ergänzt Scania Sofie Steger.
Mit seinem Vorstoß möchte der Studierendenbeirat die Diskussion über die zukünftige Nutzung der Fläche am Inselplatz erneut anstoßen. Aus Sicht des Gremiums bietet sich die Möglichkeit, eine seit Jahren ungenutzte Fläche gezielt für die Schaffung dringend benötigten Wohnraums einzusetzen und damit einen konkreten Beitrag zur Bewältigung der Wohnungsfrage in Jena zu leisten.
Info, Studierendenbeirat der Stadt Jena | Fotos, Frank Liebold // Jenafotografx | Veranstaltungen im Eventkalender



















