Dialog: Aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie Zukunft machen. Jena entwickelt gemeinsam Strategien für künftige Krisen.

Jena, Juni 2026. Wie können Städte besser auf zukünftige Krisen vorbereitet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Arbeitsgruppe Vorsorgestrategie Pandemie der Stadt Jena. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt diskutierten am 5. Juni 2026 Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Fachleuten und Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie. Ziel des Beteiligungsprozesses ist es, konkrete Handlungsempfehlungen für eine wirksame Krisenvorsorge in Jena zu entwickeln.

Die Veranstaltung fand in der IGS Grete Unrein statt und bildete einen weiteren Baustein eines mehrstufigen Beteiligungsverfahrens. Bereits zuvor hatten Fachgespräche, Sitzungen mit zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern sowie digitale Beteiligungsangebote stattgefunden. Die Ergebnisse aller Formate sollen in einen Abschlussbericht einfließen, der anschließend dem Stadtrat vorgelegt wird.

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Bewegende Abschlussfeier Jahrgang 25/26 an der EAH Jena

Bewegende Abschlussfeier Jahrgang 25/26 an der EAH Jena. Foto: Erik Hartmann
Bewegende Abschlussfeier Jahrgang 25/26 an der EAH Jena. Foto: Erik Hartmann

Erfahrungen aus der Corona-Pandemie im Mittelpunkt

Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben über mehrere Jahre hinweg geprägt. Viele Menschen waren von Einschränkungen im Alltag, Unsicherheiten und tiefgreifenden Veränderungen betroffen. Gleichzeitig mussten politische Entscheidungen häufig unter erheblichem Zeitdruck und auf Grundlage sich ständig verändernder Erkenntnisse getroffen werden.

Vor diesem Hintergrund bot die Zukunftswerkstatt Raum für eine offene und sachliche Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Teilnehmenden brachten unterschiedliche Perspektiven ein und diskutierten sowohl positive Erfahrungen als auch kritische Einschätzungen. Dabei wurde deutlich, dass die Pandemie bis heute nachwirkt und viele Fragen zur Krisenbewältigung weiterhin gesellschaftlich relevant sind.

Bürgerinnen und Bürger formulieren konkrete Verbesserungsvorschläge

In mehreren Arbeitsphasen sammelten die Teilnehmenden Erfahrungen aus der Corona-Zeit und entwickelten Vorschläge für zukünftige Krisensituationen. Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Entscheidungen in Krisenzeiten nachvollziehbarer kommuniziert werden können.

Kritisch diskutiert wurden unter anderem die Transparenz politischer Entscheidungen, die Verständlichkeit von Maßnahmen sowie die Kommunikation zwischen Behörden und Bevölkerung. Darüber hinaus thematisierten die Teilnehmenden den Umgang mit besonders schutzbedürftigen Menschen, beispielsweise in Pflegeeinrichtungen und sozialen Einrichtungen.

Auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie standen im Fokus. Mehrere Teilnehmende verwiesen auf Erfahrungen von Ausgrenzung, Polarisierung und Vertrauensverlust. Gleichzeitig wurde die Bedeutung eines respektvollen Dialogs hervorgehoben, um unterschiedliche Sichtweisen besser zu verstehen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Jena entwickelt Pandemie-Vorsorge weiter.  Die Teilnehmenden der Zukunftswerkstatt in der Aula der IGS Grete Unrein. Foto: Stadt Jena
Jena entwickelt Pandemie-Vorsorge weiter. Die Teilnehmenden der Zukunftswerkstatt in der Aula der IGS Grete Unrein. Foto: Stadt Jena

Ergebnisse fließen in Abschlussbericht für den Stadtrat ein

Die Zukunftswerkstatt wurde durch das Organisationsberatungsinstitut Thüringen ORBIT moderiert. Das Institut übernimmt die Zusammenführung und Dokumentation der Ergebnisse aus den verschiedenen Beteiligungsformaten.

Neben den Erkenntnissen aus der Zukunftswerkstatt werden auch die Ergebnisse der bisherigen Sitzungen der Arbeitsgruppe sowie Beiträge aus digitalen Beteiligungsangeboten berücksichtigt. Auf dieser Grundlage entsteht ein umfassender Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen für die zukünftige Krisenvorsorge der Stadt Jena.

Der Bericht soll dem Stadtrat vorgestellt werden und als Grundlage für weitere politische Beratungen dienen. Ziel ist es, bestehende Strukturen zu überprüfen und mögliche Verbesserungen für den Umgang mit künftigen Krisen zu identifizieren.

JenaMedia – Veranstaltungstipp:

Hofopernspecial 2026: Hofgeschichten & Blechgeflüster

Hofopernspecial 2026: Hofgeschichten & Blechgeflüster, Foto: C. Barth
Hofopernspecial 2026: Hofgeschichten & Blechgeflüster, Foto: C. Barth

Respektvoller Austausch stärkt Vertrauen und Demokratie

Kathleen Lützkendorf, Dezernentin für Soziales, Gesundheit, Zuwanderung und Klima der Stadt Jena, betonte die Bedeutung des offenen Austauschs zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen:

„Die Corona-Pandemie hat viele Menschen verunsichert, belastet und zum Teil auch voneinander entfernt. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen ausgesprochen und gehört werden können. Mich beeindruckt, mit welchem Respekt und welcher Offenheit die Teilnehmenden ihre Sichtweisen eingebracht haben. Wer miteinander spricht, muss nicht derselben Meinung sein. Aber gegenseitiges Zuhören und ernsthaftes Interesse an den Erfahrungen anderer sind wichtige Voraussetzungen, um Vertrauen zu stärken und gemeinsam gute Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.“

Die Aussagen spiegeln einen zentralen Gedanken des Beteiligungsprozesses wider. Krisenvorsorge umfasst nicht nur organisatorische und gesundheitliche Maßnahmen. Ebenso wichtig sind Vertrauen in staatliche Institutionen, transparente Kommunikation und die Fähigkeit einer Gesellschaft, auch in schwierigen Situationen miteinander im Gespräch zu bleiben.

Zukunftsweisender Dialog zur Pandemie-Vorsorge in Jena. Foto: Illustration via KI
Zukunftsweisender Dialog zur Pandemie-Vorsorge in Jena. Foto: Illustration via KI

Bedeutung für die Krisenvorsorge in Jena

Die Arbeitsgruppe Vorsorgestrategie Pandemie wurde eingerichtet, um die Erfahrungen aus der Corona-Zeit systematisch auszuwerten und daraus Schlussfolgerungen für die Zukunft abzuleiten. Die Stadt verfolgt damit das Ziel, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Krisen zu stärken und Handlungssicherheit für Verwaltung, Politik und Bevölkerung zu schaffen.

Die Erkenntnisse aus dem Beteiligungsprozess sollen dazu beitragen, Kommunikationswege zu verbessern, Entscheidungsprozesse nachvollziehbarer zu gestalten und besonders vulnerable Gruppen künftig besser zu unterstützen. Gleichzeitig bietet der Prozess die Möglichkeit, gesellschaftliche Erfahrungen sichtbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven in politische Entscheidungen einzubeziehen.

Lehren für kommende Krisen nutzen

Mit der Auswertung der Ergebnisse und der Erstellung des Abschlussberichts geht der Beteiligungsprozess in seine nächste Phase. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristig in die strategische Krisenvorsorge der Stadt Jena einfließen.

Die Stadt sieht in der breiten Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Kultur. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass erfolgreiche Krisenbewältigung nicht allein von organisatorischen Maßnahmen abhängt. Ebenso entscheidend sind transparente Kommunikation, gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Vertrauen der Menschen in politische Entscheidungen.

Die Zukunftswerkstatt hat deutlich gemacht, dass viele Bürgerinnen und Bürger bereit sind, ihre Erfahrungen einzubringen und an Lösungen für kommende Herausforderungen mitzuwirken. Die Ergebnisse dieses Dialogs bilden nun die Grundlage für weitere Schritte auf dem Weg zu einer widerstandsfähigen und gut vorbereiteten Stadtgesellschaft.

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