Exuviae: Robert Seidel verwandelt Frank Stellas Skulptur in digitale Videokunst

Der in Jena geborene Künstler Robert Seidel zeigt vom 29. Oktober bis 15. November 2026 seine Arbeit „Exuviae“ an den Fassaden des Ernst-Abbe-Hochhauses in Jena. Im Mittelpunkt steht Frank Stellas Skulptur „Newburgh“ auf dem Ernst-Abbe-Platz. Die digitale Projektion entsteht im Zusammenhang mit dem Kunstprojekt „Stella ins Licht“, das am 29. Oktober ab 18 Uhr zum 30-jährigen Jubiläum des Jenaer Frank-Stella-Skulpturenparks stattfindet.

Die Videokunst greift die Formen der Skulptur auf und überträgt die dabei entstehenden Lichteffekte auf das Jenoptik-Hochhaus. Die aufgezeichnete Projektion wird anschließend jeden Abend (29. Oktober bis 15. November) zwischen 18 und 22 Uhr gezeigt.

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„Exuviae“: Frank Stellas Skulptur wird zur Lichtprojektion

Robert Seidel bezeichnet seine Arbeit als „Exuviae“. Der Begriff stammt aus der Zoologie und beschreibt die abgestreiften Häute von Tieren, etwa von Insekten oder Schlangen. Zurück bleiben leere, fragile Hüllen, nachdem der Körper sie verlassen hat.

Ein verwandtes Prinzip findet sich im Metallguss. Dort bezeichnet die „verlorene Form“ eine Schale, die zerbrochen werden muss, damit die fertige Skulptur aus ihr hervorgehen kann. Die Form liegt dem Modell vollständig an, wird aber nicht selbst Teil des fertigen Kunstwerks. Ihre Aufgabe endet, sobald sie ihren Zweck erfüllt hat.

An dieses Prinzip knüpft Seidel mit seiner Projektion an. Am 29. Oktober hüllt er die vier Stella-Skulpturen in Licht. Die daraus entstehenden Effekte der zentralen Skulptur „Newburgh“ werden auf das Jenoptik-Hochhaus projiziert. Das Lichtbild legt sich dabei wie eine Haut um die Skulptur und wird anschließend wieder abgestreift.

Die Projektion verändert weder die Oberfläche noch die Geometrie der Skulptur. Sie bleibt eine vorübergehende Hülle, die sich an die Form anschmiegt, ohne Teil des materiellen Kunstwerks zu werden. Das Zusammenspiel von Stahl, Licht und digitaler Projektion bildet den künstlerischen Ansatz von „Exuviae“.

tangente digital art 2023 Robert Seidel 
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Videokunst am Ernst-Abbe-Hochhaus bis 15. November

Die Projektion wird aus technischen Gründen aufgezeichnet. Vom 29. Oktober bis zum 15. November ist sie jeden Abend zwischen 18 und 22 Uhr an den beiden Fassaden des Ernst-Abbe-Hochhauses zu sehen.

Mit „Exuviae“ setzt Robert Seidel die Auseinandersetzung mit digitalen Bildern, virtuellen Formen und großflächigen Projektionen im öffentlichen Raum fort. Anders als bei früheren Arbeiten bestimmen diesmal die realen Lichtformen der Stella-Skulpturen die Strukturen der Projektion.

Tangente digital art: Exuviae startet in Jena. Foto: Frank Liebold, Tangente digital 2023
Tangente digital art: Exuviae startet in Jena. Foto: Frank Liebold, tangente digital art 2023

Robert Seidel und die Verbindung von Kunst, Optik und Technologie

Robert Seidel wurde 1977 in Jena geboren. Zunächst begann er ein Biologiestudium, später wechselte er an die Bauhaus-Universität Weimar, wo er sein Studium mit einem Diplom in Mediengestaltung abschloss.

Seine künstlerischen Projekte führten ihn unter anderem nach Hongkong, Frankreich, Südkorea und in die USA. Mit „Exuviae“ kehrt seine Arbeit in einen Kontext zurück, der in Jena von Technologie, Optik und großflächigen Projektionsmöglichkeiten im öffentlichen Raum geprägt ist.

Bereits 2023 zeigte Seidel mit den Experimentalvideos „veneer #1“ und „veneer #2“ Kompositionen aus virtuellen Skulpturen und Strukturen auf der historischen Fassade. Bei der neuen Arbeit entstehen die visuellen Formen dagegen aus den Lichtgestalten der realen Stella-Skulpturen.

tangente digital art, Robert Seidel „veneer“ 2023. Foto: Frank Liebold
tangente digital art, Robert Seidel „veneer“ 2023. Foto: Frank Liebold

Seidels Beschäftigung mit Frank Stella reicht bis in seine frühen künstlerischen Experimente zurück. Die Ausstellung „Heinrich von Kleist“, die 2001 in Jena zu sehen war, prägte nach seinen Worten seine Auseinandersetzung mit digitaler Gestaltung und 3D-Software.

„Die umfangreiche Stella-Ausstellung „Heinrich von Kleist“ in Jena im Jahr 2001 hatte großen Einfluss auf meine frühen Experimente mit 3D-Software. Sie hat mir gezeigt, dass das Digitale keine inhärente Ordnung, keine Grenzen durch Physik oder Logik haben muss. Während Stellas Werkstatt einen erstarrten Moment dieser Verfahren schuf, habe ich mich in meinen Filmen, Installationen und Projektionen dem Festhalten dieses Werdens, dieses kontinuierlichen Veränderns von Form, gewidmet.“

25 Jahre später treffen in „Exuviae“ die feste Form der Stahlskulptur und die vergängliche Form der Lichtprojektion aufeinander.

10. tangente digital art - Robert Seidel "Exuviae" Foto: Christoph Beer
10. tangente digital art – Robert Seidel “Exuviae” Foto: Christoph Beer

„Stella ins Licht“ feiert 30 Jahre Frank-Stella-Skulpturenpark

Die Projektion ist Teil der Veranstaltung „Stella ins Licht“ am 29. Oktober 2026. Anlass ist das 30-jährige Jubiläum der vier Skulpturen von Frank Stella auf dem Ernst-Abbe-Platz in Jena.

Die Werke tragen die Namen „Garrison“, „Newburgh“, „Peekskill“ und „Bear Mountain“. Sie erinnern an Frank Stella, der im Mai 2024 starb, sowie an die Transformation des Ernst-Abbe-Platzes und der Stadt Jena während der 1990er Jahre.

Zu dem Aktionsabend laden Kunstschaffende, Kunstfreunde, Kulturförderer, die JENOPTIK AG, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Stadt Jena gemeinsam die Bevölkerung ein. Der Beginn ist für den 29. Oktober ab 18 Uhr auf dem Ernst-Abbe-Platz angegeben.

„Tangente digital art“ bringt digitale Kunst in den öffentlichen Raum

Die Kunstreihe der Jenoptik besteht seit 1996. Unter dem Namen „tangente“ schafft sie Berührungspunkte zwischen Wirtschaft, Technologie, Kunst, Licht und Wahrnehmung.

Im Jahr 2022 entwickelte Jenoptik die Reihe zur „tangente digital art“ weiter. Seitdem zeigt das Unternehmen nationale und internationale digitale Kunst am Hochhaus und am Hauptsitz in Jena. Damit wurde das Kunstengagement in den öffentlichen Raum verlagert.

Die Projektionen nutzen zwei Fassaden des Hochhauses im Zentrum von Jena. Die dafür vorgesehenen Flächen umfassen 960 beziehungsweise 625 Quadratmeter. „Exuviae“ ist die zehnte Ausstellung der Reihe „tangente digital art“.

An der Umsetzung sind neben Robert Seidel auch Partner beteiligt. Dazu zählen JenaKultur, die Galerie Huber & Treff für die Kuration der Ausstellungen und die Laser Event Company, die die Videomapping-Anlage betreut.

10. tangente digital art: Videokunst: „Exuviae“ von Robert Seidel. Foto: Frank Liebold, Tangente digital art 2023
10. tangente digital art: Videokunst: „Exuviae“ von Robert Seidel. Foto: Frank Liebold, Tangente digital art 2023

Informationen zur Ausstellung „Exuviae“

Die Ausstellung „tangente digital art: Robert Seidel | Exuviae“ ist vom 30. Oktober bis 15. November 2026 zu sehen. Die Projektionen laufen täglich zwischen 18 und 22 Uhr zu jeder vollen und halben Stunde. Die Vernissage findet am 29. Oktober im Rahmen von „Stella ins Licht“ ab 18 Uhr auf dem Ernst-Abbe-Platz statt.

Weitere Informationen zu Robert Seidel gibt es auf seiner Website robertseidel.com sowie auf seinen Social-Media-Profilen: Instagram, Facebook und X beziehungsweise Twitter.

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