305 Einsatzkräfte üben Großeinsatz im Tunnel Lobdeburg in Jena

Ein brennendes Nutzfahrzeug, zahlreiche Verletzte und eine aufwendige Rettungsaktion: 305 Beteiligte haben am Samstagabend einen Großeinsatz im Autobahntunnel Lobdeburg bei Jena trainiert. An der Vollübung beteiligten sich die Berufsfeuerwehr Jena, Freiwillige Feuerwehren sowie Einheiten des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes aus Jena und den Landkreisen Saale-Holzland und Saalfeld-Rudolstadt. Die Übung diente auch der Vorbereitung auf die geplante umfassende Tunnelsanierung in den Jahren 2028/2029.

Organisiert wurde das Training von der Feuerwehr Jena gemeinsam mit der Autobahn GmbH des Bundes als Betreiber des Tunnels. Insgesamt nahmen 305 Personen teil. Darunter waren 25 Übungsdarstellerinnen und Übungsdarsteller, die verletzte oder anderweitig betroffene Menschen verkörperten.

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Tunnelbrand mit zahlreichen Verletzten als Übungsszenario

Die Alarmierung der Einsatzkräfte erfolgte um 21:50 Uhr. Anschließend rückten die beteiligten Einheiten zum Tunnel Lobdeburg aus und begannen mit den vorgesehenen Einsatzmaßnahmen.

Im Mittelpunkt stand ein durchgängiges Einsatzszenario. Anders als bei Übungen mit einzelnen Stationen wurde diesmal ein vollständiger Einsatzverlauf simuliert. Die Aufgaben umfassten die Brandbekämpfung im Tunnel, die Suche nach Menschen in verrauchten Bereichen sowie deren Rettung. Außerdem mussten die Einsatzkräfte zahlreiche Verletzte sichten, medizinisch versorgen und für den Transport vorbereiten.

Ein Brand in einem Straßentunnel stellt besondere Anforderungen an Feuerwehr und Rettungsdienst. Starke Rauchentwicklung, extreme Hitze und eingeschränkte Sicht erschweren die Orientierung und Menschenrettung. Hinzu kommen lange Wege, schwierige Kommunikationsbedingungen und die gleichzeitige Versorgung einer größeren Zahl von Verletzten.

Auch die Anfahrt zusätzlicher Einsatzkräfte kann durch Staubildung auf der Autobahn beeinträchtigt werden. Deshalb gehörten neben den unmittelbaren Rettungsmaßnahmen auch die Einsatzführung, die Koordination zahlreicher Rettungsmittel und die Kommunikation über größere Entfernungen zum Übungsprogramm.

Die Leitstelle war ebenfalls eingebunden. Sie forderte zusätzliche Einsatzkräfte aus anderen Zuständigkeitsbereichen an und koordinierte deren Einsatz.

305 Einsatzkräfte üben Großeinsatz Tunnel Lobdeburg. Foto: Stadt Jena
305 Einsatzkräfte üben Großeinsatz Tunnel Lobdeburg. Foto: Stadt Jena

Rettungsdienst trainiert Versorgung bei einer Großschadenslage

Eine besondere Herausforderung bestand darin, die medizinische Versorgung der zahlreichen Betroffenen zu organisieren. Bei einer Großschadenslage müssen die Einsatzkräfte zunächst die Gesamtsituation erfassen. Anschließend werden Verletzte nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung gesichtet. Auch die weitere Versorgung und der Transport müssen koordiniert werden.

Dr. Katharina Jacob, Notärztin und Mitglied der Einsatzleitung Rettungsdienst, betonte die Bedeutung klarer Zuständigkeiten und gemeinsamer Übungen.

„Bei einer Großschadenslage muss man erst einmal den Überblick gewinnen. Das ist etwas anderes, als einen einzelnen Patienten zu versorgen. Jede Einsatzkraft soll wissen: Was ist meine Aufgabe, was kann ich entscheiden? Und sie soll sich das auch zutrauen“, erklärte Jacob.

Bei einer Übung dürften auch Fehler passieren. Gerade daraus könnten die Beteiligten lernen. Entscheidend seien klare Rollen und das Zusammenspiel zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst. Die medizinische Sichtung werde bereits im Vorfeld trainiert. Wie die verschiedenen Organisationen unter realistischen Bedingungen zusammenarbeiten, lasse sich jedoch nur gemeinsam erproben.

Das Training soll den Einsatzkräften Sicherheit bei Entscheidungen geben und helfen, schwierige Situationen im Anschluss gemeinsam aufzuarbeiten.

Tunnel Lobdeburg: Großeinsatz erfolgreich trainiert. Foto: Stadt Jena
Tunnel Lobdeburg: Großeinsatz erfolgreich trainiert

Feuerwehr und Katastrophenschutz arbeiten über Landkreisgrenzen hinweg

An der Vollübung waren Einsatzkräfte aus drei Gebietskörperschaften beteiligt. Bei größeren Schadenslagen müssen häufig zusätzliche Einheiten aus benachbarten Landkreisen eingebunden werden. Damit das funktioniert, müssen Führungsstrukturen, Kommunikation, Menschenrettung und medizinische Versorgung auch über Verwaltungsgrenzen hinweg abgestimmt sein.

Benjamin Koppe, Bürgermeister und Dezernent für Finanzen, Sicherheit und Bürgerservice der Stadt Jena, hob die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor.

„Bevölkerungsschutz ist eine gemeinsame Aufgabe. Ein größerer Schadensfall in einem Tunnel stellt alle beteiligten Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Dann kommt es darauf an, dass Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz auch über Zuständigkeitsgrenzen hinweg verlässlich zusammenarbeiten und sich aufeinander verlassen können“, sagte Koppe.

Für Jena sei entscheidend, dass die Abläufe mit den benachbarten Landkreisen und der Autobahn GmbH abgestimmt seien. Die Übung helfe dabei, funktionierende Strukturen zu festigen und weiteren Abstimmungsbedarf zu erkennen.

Auch Freiwillige Feuerwehren aus dem Saale-Holzland-Kreis nahmen teil. Landrat Johann Waschnewski verwies auf die enge Verbindung zwischen dem Landkreis und der Stadt Jena.

„Jena und der Saale-Holzland-Kreis sind Nachbarn und eng verflochten. Ein größeres Schadensereignis im Tunnel Lobdeburg würde uns alle betreffen“, erklärte Waschnewski. Sein Dank galt den haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, die sich an der Vollübung beteiligt hatten.

Tunnel Lobdeburg: Wichtige Übung vor der Sanierung. Foto: Stadt Jena
Tunnel Lobdeburg: Wichtige Übung vor der Sanierung. Foto: Stadt Jena

Tunnelsanierung 2028/2029 stellt Einsatzkräfte vor neue Anforderungen

Die Übung hatte neben dem Training für einen möglichen Ernstfall einen weiteren konkreten Anlass. Sie diente auch der Vorbereitung auf die umfassende Sanierung des Tunnels Lobdeburg, die für 2028/2029 geplant ist.

Die Bauarbeiten werden die verkehrlichen Rahmenbedingungen verändern. Das kann Auswirkungen auf die Anfahrt der Einsatzkräfte, die Bereitstellung von Fahrzeugen und das taktische Vorgehen haben. Durch die frühzeitige gemeinsame Vorbereitung sollen sich die beteiligten Organisationen auf diese besonderen Bedingungen einstellen können.

Matthias Posern, Tunnelmanager der Autobahn GmbH des Bundes, verwies auf die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen Tunnelbetrieb und Einsatzorganisationen.

Neben der technischen Ausstattung und dem sicheren Betrieb der Anlage sei entscheidend, dass die zuständigen Einsatzkräfte die örtlichen Gegebenheiten kennen und ihre Maßnahmen mit dem Tunnelbetrieb abstimmen können. Eine gemeinsame Vollübung biete dafür eine wichtige Grundlage.

Jena: Rettungskräfte trainieren komplexen Tunneleinsatz. Vorbereitung auf die Tunnelsanierung 2028/2029. Foto: Stadt Jena
jena: Rettungskräfte trainieren komplexen Tunneleinsatz. Vorbereitung auf die Tunnelsanierung 2028/2029. Foto: Stadt Jena

Tunnelsicherheit erfordert spezielle Vorbereitung

Bei Einsätzen in Straßentunneln müssen Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst die baulichen und technischen Besonderheiten der jeweiligen Anlage berücksichtigen. Rauch, Hitze, eingeschränkte Sicht und beengte Platzverhältnisse erschweren das Vorgehen erheblich.

Frank Steiner, Sicherheitsexperte für Tunnel, begleitete über viele Jahre die fachliche Vorbereitung solcher Einsatzlagen. Die Vollübung im Tunnel Lobdeburg war zugleich seine letzte Tunnelübung in dieser Funktion.

Seine Tätigkeit im Bereich der Tunnelsicherheit begann Mitte der 1990er-Jahre als Brandschutzbeauftragter für Tunnel. Seit 2003 war er als externer Sicherheitsbeauftragter für Tunnel tätig. Mit der Übung endete seine langjährige Arbeit für das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr und die Autobahn GmbH des Bundes.

Steiner betonte, dass Übungen dieser Größenordnung notwendig seien, um die Abläufe vom Eintreffen am Tunnel über die Lageerkundung bis zur Bewältigung des Ereignisses zu trainieren. Dazu gehöre insbesondere das Zusammenspiel zwischen Einsatzleitung und Tunnelüberwachung in Zella-Mehlis.

Tunnelbrand mit zahlreichen Verletzten: Große Vollübung auf der A4 bereitet Einsatzkräfte auf Ernstfall vor. Foto: Stadt Jena
Tunnelbrand mit zahlreichen Verletzten: Große Vollübung auf der A4 bereitet Einsatzkräfte auf Ernstfall vor. Foto: Stadt Jena

Erste Auswertung zeigt Verbesserungen und weiteren Handlungsbedarf

Nick Ludwig, Fachdienstleiter der Feuerwehr Jena, zog eine erste Bilanz der Vollübung. Zahlreiche Abläufe hätten sich im Vergleich zu früheren Übungen bereits verbessert. Besonders die etablierten Führungsstrukturen hätten sich als gute Grundlage für die Bewältigung einer komplexen Einsatzlage erwiesen.

Gleichzeitig zeigte das Training weiteren Abstimmungsbedarf. Kommunikationsprobleme führten stellenweise zu Verzögerungen im Einsatzablauf. Auch beim Rettungsdienst wurden Herausforderungen sichtbar, die bereits aus früheren Übungen bekannt waren und weiter bearbeitet werden müssen.

Positiv bewertete Ludwig das Engagement und die große Bereitschaft aller beteiligten Einheiten und Organisationen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun gemeinsam ausgewertet werden. Ziel ist es, bestehende Abläufe weiterzuentwickeln und insbesondere die organisationsübergreifende Zusammenarbeit zu stärken.

Die Auswertung konzentriert sich auf die Menschenrettung, die medizinische Versorgung, die Einsatzführung sowie die Kommunikation und Abstimmung zwischen den verschiedenen Einheiten. Die Ergebnisse fließen in die weitere Einsatzplanung und die Vorbereitung auf vergleichbare Schadenslagen ein.

JenaMedia – Veranstaltungstipp:

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Martinsfest Jena 2026 - Mit Laternen durch die Innenstadt ziehen. Foto: Marco Gebhard
Martinsfest Jena 2026 – Mit Laternen durch die Innenstadt ziehen. Foto: Marco Gebhard

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A4 für die Tunnelübung in beiden Richtungen gesperrt

Für die Vollübung wurde die A4 am Samstag ab 20:00 Uhr im Bereich des Tunnels Lobdeburg in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Die Sperrung war bis Sonntag, 8. November, um 8:00 Uhr vorgesehen.

Über die Verkehrseinschränkungen und die eingerichteten Umleitungen wurde bereits im Vorfeld informiert. Dazu kamen unter anderem digitale Informationstafeln zum Einsatz.

Die Stadt Jena dankte allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften sowie den weiteren Beteiligten, die die umfangreiche Vollübung vorbereitet, organisiert und durchgeführt hatten. Dazu gehörten neben den Feuerwehren, dem Rettungsdienst und dem Katastrophenschutz auch Mitarbeitende der Autobahn GmbH und weiterer beteiligter Organisationen.

Die gemeinsame Übung sollte dazu beitragen, komplexe Einsatzlagen unter realistischen Bedingungen zu trainieren, Schwachstellen zu erkennen und die Zusammenarbeit für künftige Einsätze weiterzuentwickeln.

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