Christian Wulff spricht bei der Michaelsbegegnung in Jena über Frieden und Demokratie
Bundespräsident a. D. Christian Wulff war am Donnerstag, 22. Oktober 2026, auf Einladung der Kirchenstiftung St. Michael in Jena zu Gast. Anlass war die diesjährige Michaelsbegegnung, zu der rund 200 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erwartet wurden. Im Mittelpunkt stand Wulffs Festvortrag „Frieden, Demokratie, Europa: Rolle des Christentums“. Bereits am Nachmittag informierte sich der ehemalige Bundespräsident über Jenas Entwicklung als international bedeutender Wissenschafts- und Hightechstandort.
Christian Wulff besucht das Fraunhofer IOF und den ZEISS-Standort
Das Besuchsprogramm verband die Michaelsbegegnung mit Einblicken in die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Jenas. Christian Wulff besuchte am Nachmittag das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF sowie den Hightechstandort von Carl Zeiss.
Unter dem Titel „Wissenschafts- und Hightechstandort Jena. Eine Stadt im Wandel der Zeiten“ diskutierten Vertreter aus Forschung, Wirtschaft und Politik über die Entwicklung des Standorts. Themen waren die Erfolgsfaktoren Jenas, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen sowie Perspektiven für die weitere Entwicklung.
Zu den Gesprächspartnern gehörten Jenas Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche, Staatssekretär Prof. Dr. Steffen Teichert, der Wissenschaftliche Direktor des Deutschen Optischen Museums, Prof. Dr. Timo Mappes, der Finanzvorstand der Carl Zeiss Meditec AG, Justus Wehmer, sowie Prof. Dr. Andreas Tünnermann, Institutsleiter des Fraunhofer IOF.

Fraunhofer IOF betont Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Prof. Dr. Andreas Tünnermann begrüßte den Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik. Er verwies auf die Herausforderungen, vor denen der Optikstandort Jena Anfang der 1990er-Jahre gestanden hatte.
„Der Optikstandort Jena stand Anfang der 1990er-Jahre vor existenziellen Herausforderungen. Im engen Schulterschluss zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, den Standort neu zu erfinden und ausgehend von exzellenter Forschung neue Märkte mit innovativen Produkten zu erschließen“, sagte Tünnermann.
Die Fähigkeit zur strategischen Kooperation, insbesondere zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sei eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung. Tünnermann erklärte, er freue sich darauf, Christian Wulff die Erfahrungen zur Standortentwicklung zu vermitteln und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie Jena auch für andere Wissenschafts- und Technologiestandorte in Deutschland beispielgebend sein könne.

Michaelsbegegnung widmet sich Frieden, Demokratie und Europa
Die eigentliche Michaelsbegegnung fand am Abend in der ad hoc-Arena im Ernst-Abbe-Sportfeld statt. Nach der Begrüßung durch Dr. Franz von Falkenhausen, Vorstandsvorsitzender der Kirchenstiftung St. Michael Jena, und einem Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche hielt Christian Wulff seinen Festvortrag.
Mit dem Thema „Frieden, Demokratie, Europa: Rolle des Christentums“ standen grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens im Mittelpunkt. Wulff beschäftigt sich seit vielen Jahren mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, Integration und interreligiösem Dialog. Auch nach seiner Amtszeit setzt er sich für demokratische Werte und die Verständigung zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ein.
Vor der Veranstaltung erklärte Wulff: „Frieden, Demokratie und ein geeintes Europa sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie leben davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, miteinander im Gespräch bleiben und auch über unterschiedliche Überzeugungen hinweg nach Gemeinsamkeiten suchen. Christliche Werte wie Nächstenliebe, Menschenwürde und Solidarität haben wichtige Orientierung gegeben. Ich freue mich, bei der Michaelsbegegnung in Jena über diese Fragen ins Gespräch zu kommen.“
Die Kirchenstiftung sieht die Veranstaltung als Möglichkeit, Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zusammenzubringen und den Austausch über politische, gesellschaftliche und religiöse Fragen zu fördern.
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Kirchenstiftung St. Michael blickt auf lange Tradition zurück
Die Michaelsbegegnung gehört seit vielen Jahren zur Arbeit der Kirchenstiftung St. Michael Jena. Die Stiftung wurde im November 2007 gegründet. Zu ihren Aufgaben zählen der Erhalt und die Sanierung kirchlicher Gebäude, die Förderung denkmalpflegerischer Maßnahmen sowie die Unterstützung bedürftiger Gemeindemitglieder.
Mehr als 100 Gründungsstifter und Zustifter haben bislang ein Stiftungskapital von über 350.000 Euro zusammengetragen. Daraus kann die Stiftung jährlich rund 10.000 Euro für soziale und bauliche Projekte bereitstellen.
Mit der jährlich stattfindenden Michaelsbegegnung möchte die Stiftung ihre Arbeit vorstellen, den Kontakt zu Freunden und Förderern pflegen und weitere Unterstützer gewinnen. Zu den Festrednern früherer Jahre gehörten unter anderem Bundespräsident a. D. Joachim Gauck, Prof. Dr. Gesine Schwan, Bodo Ramelow, Prof. Dr. Hartmut Rosa und Prof. Dr. Norbert Lammert.
JenaMedia – Veranstaltungstipp:
Musik und Wein im Pici Jena: Friederike live am 24.10.
Sanierung der Stadtkirche St. Michael bleibt zentrale Aufgabe
Ein wichtiges Anliegen der Kirchenstiftung ist die Sanierung der Jenaer Stadtkirche St. Michael. Wegen der laufenden Arbeiten fand die Michaelsbegegnung auch 2026 außerhalb der Kirche statt. Weitere Bauabschnitte der aufwendigen Gewölbesanierung werden derzeit vorbereitet.
Die Gesamtkosten der Sanierung lassen sich nach Angaben der Stiftung weiterhin nicht abschließend beziffern. Bereits jetzt steht jedoch fest, dass die bislang eingegangenen Spenden nur einen kleinen Teil des Finanzierungsbedarfs abdecken.
Dr. Franz von Falkenhausen betonte die Bedeutung des Bauwerks für Jena: „Die Stadtkirche St. Michael ist nicht nur ein bedeutendes Gotteshaus, sondern auch ein prägendes Bau- und Kulturdenkmal unserer Stadt. Ihre Bewahrung ist eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können.“
Deshalb nutze die Stiftung die Michaelsbegegnung auch, um auf den Unterstützungsbedarf für die weitere Sanierung aufmerksam zu machen. Die diesjährige Veranstaltung war erneut mit einem Spendenaufruf für den Erhalt der Stadtkirche verbunden.
Ermöglicht wurde die Michaelsbegegnung durch die Unterstützung der Sparkasse Jena, der Stadtwerke Jena und der elf5 Jena GmbH.

Hintergrund: Christian Wulff
Christian Wulff wurde 1959 in Osnabrück geboren. Von 2003 bis 2010 war er Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Im Jahr 2010 wurde er zum zehnten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 2012.
Während seiner politischen Laufbahn und darüber hinaus setzte sich Wulff insbesondere für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Bildung, Integration sowie den Dialog zwischen Religionen und Kulturen ein. Diese Themen prägen auch den Austausch bei der Michaelsbegegnung in Jena.
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