„Klang der Stolpersteine“ – FDP-Fraktion kritisiert israelfeindliche Komponente im Aufruf der Organisatoren zum 9. November

Die FDP-Fraktion im Jenaer Stadtrat kritisiert den diesjährigen Aufruf der Organisatoren zum „Klang der Stolpersteine“ am 9. November 2026. Die Fraktion bemängelt, dass die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Pogrome in der Beschreibung der Veranstaltungsziele nicht ausdrücklich benannt würden. Außerdem beanstandet sie den Umgang mit Israel und das Fehlen einer klaren Positionierung gegen gegenwärtigen Antisemitismus.

Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Formulierungen auf der Website der Veranstalter sowie gegen deren Aufforderung, keine Nationalflaggen zur Gedenkveranstaltung mitzubringen. Die FDP-Fraktion sieht darin eine israelfeindliche Komponente und fordert eine deutlichere Haltung zur Verantwortung Deutschlands gegenüber jüdischem Leben und dem Staat Israel.

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Einmal essen macht zweimal satt: Spendenaktion 5.11. in Jena

Einmal essen macht zweimal satt: Spendenaktion 5.11. in Jena. Fotografik: Illustration via KI
Einmal essen macht zweimal satt: Spendenaktion 5.11. in Jena. Fotografik: Illustration via KI

Die Diakonie Thüringen und der Evangelische Kirchenkreis Jena laden am Donnerstag, 5. November 2026, unter dem Motto „Einmal essen macht zweimal satt“ zu einer Spendenaktion auf den Jenaer Markt ein. Von 11 bis 14 Uhr gibt es am Bismarckbrunnen Suppe, Kaffee, Glühwein und Kinderpunsch. Die gesammelten Spenden kommen dem Nothilfefonds des Kirchenkreises Jena zugute, der Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützt (…).

FDP kritisiert Darstellung der jüdischen Opfer des 9. November 1938

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die drei Ziele, mit denen die Organisatoren ihre Veranstaltungsreihe auf ihrer Website beschreiben. Dort heißt es, man wolle sich vor den Opfern des Nazi-Terrors verneigen, ein politisches Statement für universelle Menschenrechte, Respekt und Toleranz setzen und die Stadt für diesen besonderen Tag gegen Aufmärsche von Rechtsextremen schützen.

Nach Auffassung der FDP-Fraktion fehlt dabei die ausdrückliche Benennung der jüdischen Opfer der Novemberpogrome und der späteren Shoah. Das Wort „Juden“ komme in der Beschreibung der drei Veranstaltungsziele nicht vor.

„Dabei waren die Juden die Opfer des 9. November 1938 – und sonst niemand. Die zentrale Bedeutung der Shoah, die sich gegen die Juden richtete, verliert sich im Ungefähren“, erklärt Alexis Taeger, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Jenaer Stadtrat.

Die Fraktion hält die allgemeine Formulierung „Opfer des Nazi-Terrors“ für unzureichend, um den historischen Zusammenhang und die besondere Bedeutung des Gedenktages angemessen abzubilden.

FDP vermisst Bezug zum Antisemitismus der Gegenwart

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Umgang mit aktuellem Antisemitismus. Die FDP-Fraktion verweist auf die Entwicklung seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und die aus ihrer Sicht zunehmende antisemitische Bedrohung in Deutschland und international.

Im Aufruf zum „Klang der Stolpersteine“ fehle nach Ansicht der Fraktion eine Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung. Insbesondere eine klare Positionierung gegen traditionellen und israelbezogenen Antisemitismus vermisse die FDP.

Die Fraktion sieht darin einen Widerspruch zum Anspruch des Gedenkens. Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen müsse auch Konsequenzen für den Umgang mit Antisemitismus in der Gegenwart haben.

Petra Teufel, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, erklärt dazu: „So eine Veranstaltung darf nicht im Betrauern der Vergangenheit verharren, weil das bequem ist. Sie muss die richtigen Schlüsse für die Gegenwart ziehen – und das heißt, an der Seite Israels zu stehen.“

JenaMedia – Veranstaltungstipp

Lesung mit Hanna Poddig 08.11. in Jena: Anastasia-Bewegung

Lesung mit Hanna Poddig 08.11. in Jena: Anastasia-Bewegung. Foto: Hanna Poddig
Lesung mit Hanna Poddig 08.11. in Jena: Anastasia-Bewegung. Foto: Hanna Poddig

Die Anastasia-Bewegung, ihre esoterischen Weltbilder und ihre völkischen Siedlungsbestrebungen stehen im Mittelpunkt einer Lesung am 8. November im Café Wagner in Jena. Die Umweltaktivistin und Publizistin Hanna Poddig stellt dort ihr 2025 erschienenes Buch „Die Anastasia-Bewegung. Völkisch, esoterisch, antisemitisch“ vor. Eingeladen hat der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen Jena. Beginn der Veranstaltung ist um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei (…).

Kritik an Aufforderung, keine Nationalflaggen mitzubringen

Besonders deutlich fällt die Kritik der FDP an der Aufforderung der Veranstalter aus, keine Nationalflaggen zur Gedenkveranstaltung mitzubringen. Die Fraktion sieht darin eine Ausrichtung gegen Israel.

Zur Begründung verweist sie auf die Situation jüdischer Menschen nach den Novemberpogromen von 1938. Viele waren unter erheblichen Druck geraten, Deutschland zu verlassen, und mussten bei ihrer Flucht ihr Hab und Gut zurücklassen. Die Ausreise sei zudem dadurch erschwert worden, dass andere Länder jüdische Flüchtlinge nicht uneingeschränkt aufgenommen hätten.

Vor diesem historischen Hintergrund bewertet die FDP-Fraktion die Aufforderung zum Verzicht auf Nationalflaggen als problematisch. Sie argumentiert, dass Israel als jüdischer Staat für jüdische Menschen in Not eine besondere Bedeutung habe und die entsprechende Aufforderung deshalb auch Israel betreffe.

Die Organisatoren beziehen auf ihrer Website ausdrücklich Stellung zu dieser Frage. Dort heißt es: „Es schmerzt uns sehr, dass es für den Klang der Stolpersteine notwendig geworden ist, dies seiner Glaubwürdigkeit willen auch in Richtung Israel zu äußern.“

Für die FDP-Fraktion ist diese Passage ein weiterer Beleg für ihre Kritik am Aufruf. Sie sieht darin eine problematische Abgrenzung gegenüber dem jüdischen Staat gerade im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden.

FDP-Fraktion Jena kritisiert Aufruf zum „Klang der Stolpersteine“. Foto: Frank Liebold
FDP-Fraktion Jena kritisiert Aufruf zum „Klang der Stolpersteine“. Foto: Frank Liebold

Petra Teufel fordert eine klare Positionierung

Petra Teufel kritisiert darüber hinaus, dass die Veranstalter aus ihrer Sicht einer Kontroverse über Israel ausweichen. Sie wirft ihnen vor, sich einer zunehmend antiisraelischen Haltung in Teilen der bürgerlichen Mitte anzunähern, statt sich eindeutig an die Seite des jüdischen Volkes zu stellen.

„Hier versucht man sich offenbar einer zunehmend antiisraelischen bürgerlichen Mitte anzubiedern, anstatt in Zeiten steigenden Antisemitismus tatsächlich an der Seite des jüdischen Volkes zu stehen. Wer sich aus Angst vor der Kontroverse nicht positioniert, hat die Debatte schon verloren. Wir müssen aber diskutieren, wenn wir ‚Nie wieder‘ wirklich ernst nehmen“, so Teufel.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende verbindet damit die Forderung, das historische Gedenken stärker mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen zu verknüpfen.

FDP-Fraktion fordert Konsequenzen für das Gedenken

Abschließend bekräftigt die FDP-Fraktion ihre Erwartung, dass die Organisatoren ihren Aufruf überdenken. Der Vorsitzende Alexis Taeger verbindet die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen mit einer klaren Positionierung zum heutigen Israel.

„Wer ‚Nie wieder‘ ernst meint, steht an der Seite des jüdischen Staates Israel. Als FDP-Fraktion hoffen wir, dass sich die Organisatoren eines Besseren besinnen. Denn auf diese Weise werden wir als Deutsche unserer Verantwortung gegenüber den Juden und Israel nicht gerecht“, erklärt Taeger.

Die Stellungnahme der FDP-Fraktion bezieht sich auf den Aufruf zum „Klang der Stolpersteine“ sowie auf die Internetseite der Veranstalter. Als Quellen nennt die Fraktion das Flugblatt (klang-der-stolpersteine.de/wp/flyer-2026/) und Website der Organisatoren (klang-der-stolpersteine.de), Stand 31. Oktober 2026.

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