Lehrerbildung im Rettungswesen: Expertenforum an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena diskutiert bundesweite Perspektiven für die Professionalisierung
Wie müssen Lehrkräfte qualifiziert sein, die künftig Notfallsanitäterinnen und -sanitäter ausbilden? Und wie lässt sich angesichts unterschiedlicher Regelungen in den Bundesländern ein gemeinsamer Qualitätsrahmen für die Lehrenden im Rettungswesen entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 30 Fachexpertinnen und -experten aus Hochschulen, Rettungsdienstschulen und dem Berufsfeld am 10. und 11. September 2026 an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena.
Eingeladen hatten Prof. Dr. Sebastian Koch von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena und Prof. Dr. habil. Thomas Prescher von der Fachhochschule Münster für die Sektion „Hochschulische Bildung“ des Bundesverbandes für Bildung im Rettungswesen (BVBRW). Unter dem Titel „Lehrerbildung im Rettungswesen gemeinsam gestalten: Zwischen föderaler Vielfalt und bildungspolitischer Verantwortung“ wurde erstmals in diesem Format länderübergreifend diskutiert, welche Anforderungen an eine professionelle Lehre im Rettungswesen zu stellen sind.
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Bundesgesetzliche Ausbildung, unterschiedliche Lehrkräfte-Anforderungen
Ausgangspunkt des Forums ist eine besondere Situation: Während die Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und -sanitätern bundesgesetzlich geregelt ist, unterscheiden sich die Anforderungen an die Qualifikation ihrer Lehrkräfte zwischen den Ländern teilweise erheblich. Gleichzeitig haben sich die Aufgaben der Rettungsdienstschulen weiterentwickelt. Lehrkräfte müssen heute nicht nur fachliche Inhalte vermitteln, sondern komplexe Bildungsprozesse planen, Curricula entwickeln, Lernprozesse diagnostizieren und begleiten, Prüfungen gestalten sowie die Verbindung zwischen wissenschaftlichem Wissen und beruflicher Handlungspraxis herstellen.
Drei Leitfragen in den Arbeitsgruppen
In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden drei miteinander verbundene Fragen: Wer soll im Rettungswesen lehren und welche Qualifikation benötigen unterschiedliche Lehrrollen? Wie muss eine hochschulische Lehre gestaltet sein, damit sie tatsächlich zur professionellen Tätigkeit an einer Rettungsdienstschule befähigt? Und unter welchen Rahmenbedingungen kann der Übergang zu höheren Qualitätsstandards gelingen, ohne die Schulen angesichts des bestehenden Fachkräftebedarfs zu überfordern?
In den Diskussionen zeichneten sich erste gemeinsame Linien ab. Ein Hochschulabschluss allein wurde dabei nicht als hinreichende Beschreibung professioneller Lehrbefähigung betrachtet. Stärker in den Mittelpunkt rückte die Frage nach einem nachvollziehbaren Kompetenzprofil, das fach- und bezugswissenschaftliche, berufspädagogische und didaktische Kompetenzen ebenso umfasst wie systematisch begleitete schulpraktische Erfahrungen.
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Verbindung von Hochschule, Schule und Praxis
Besondere Bedeutung wurde der Verbindung von Hochschule, Rettungsdienstschule und beruflicher Praxis zugeschrieben. Diskutiert wurden unter anderem verbindliche schulpraktische Studien beziehungsweise Praxissemester, hochschulisch begleitete Mentoring- und Supervisionsmodelle, durchlässige Studienwege sowie eine kontinuierliche fachliche und pädagogische Fortbildung. Zugleich wurde deutlich, dass künftig genauer zwischen unterschiedlichen Rollen an Rettungsdienstschulen und den jeweils erforderlichen Qualifikationen unterschieden werden muss.
Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass einfache Lösungen kaum möglich sind. Fragen nach Master- und Bachelorqualifikationen, dem Stellenwert einer vorherigen Qualifikation von Notfallsanitäterinnen und -sanitätern, der Einbindung weiterer Fachexpertinnen und Fachexperten, Übergangs- und Bestandsschutzregelungen sowie der Finanzierung von Studium, Freistellung und Personalentwicklung bedürfen weiterer Abstimmung. Gerade diese offenen Punkte machen nach Einschätzung der Beteiligten einen strukturierten bildungspolitischen Verständigungsprozess notwendig.
Prof. Koch und Prof. Prescher fassen die Stoßrichtung des Forums zusammen: „Wir brauchen keine Vereinheitlichung um der Vereinheitlichung willen. Entscheidend ist, gemeinsam zu klären, woran professionelle Lehre im Rettungswesen künftig erkennbar sein soll und welche wissenschaftlichen, pädagogischen und berufsfeldbezogenen Standards dafür unverzichtbar sind.“

Positionspapier soll folgen
Das Jenaer Expertenforum versteht sich nicht als Abschluss, sondern als Beginn eines weiterführenden Prozesses. Die erarbeiteten Positionen werden derzeit ausgewertet und sollen in ein Positionspapier zur Lehre im Rettungswesen überführt werden. Ziel ist es, einen fachlich begründeten Orientierungsrahmen zu entwickeln, der die föderalen Zuständigkeiten berücksichtigt, zugleich aber gemeinsame Qualitätsmaßstäbe für Hochschulen, Rettungsdienstschulen und bildungspolitische Entscheidungsträger formuliert.
Damit rückt eine bislang vergleichsweise wenig beachtete bildungspolitische Frage in den Mittelpunkt: Wer die Qualität der Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und -sanitätern weiterentwickeln will, muss auch die Professionalität derjenigen in den Blick nehmen, die diese Ausbildung gestalten. Die Lehre wird damit zu einer zentralen Voraussetzung für die langfristige Qualitätsentwicklung des Rettungswesens.
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