Uni Jena beteiligt sich an internationaler Arktisexpedition der Tara Polar Station

Mit dem Auslaufen der Tara Polar Station am 19. Juli 2026 aus dem französischen Lorient beginnt eine langfristig angelegte wissenschaftliche Expedition in den zentralen Arktischen Ozean. Die internationale Forschungsplattform wird sich während des Winters kontrolliert im Meereis einschließen lassen und über viele Monate mit der natürlichen Eisdrift treiben. Ziel der Mission ist es, neue Erkenntnisse über die Auswirkungen des Klimawandels auf das empfindliche arktische Ökosystem zu gewinnen.

An dem internationalen Forschungsvorhaben beteiligt sich auch die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Georg Pohnert, Professor für Bioanalytik und Principal Investigator im Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“, untersuchen gemeinsam mit Partnern aus Europa die Veränderungen mikrobieller Lebensgemeinschaften im Arktischen Ozean. Die Expedition vereint mehr als 30 Forschungseinrichtungen aus zwölf Ländern und gehört zu den umfangreichsten wissenschaftlichen Projekten ihrer Art.

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Schwimmparadies Jena ab 20.07. wegen Wartung geschlossen

Schwimmparadies Jena ab 20.07. wegen Wartung geschlossen. Foto: Stadtwerke Jena
Schwimmparadies Jena ab 20.07. wegen Wartung geschlossen. Foto: Stadtwerke Jena

Moderne Arktisforschung knüpft an historische Expeditionen an

Das wissenschaftliche Konzept der Tara Polar Station orientiert sich an einem historischen Vorbild. Bereits vor über 130 Jahren ließ sich der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen mit seinem Expeditionsschiff Fram bewusst im arktischen Meereis einschließen. Die natürliche Eisdrift sollte das Schiff möglichst nah an den Nordpol herantragen und gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse über die Strömungsverhältnisse im Nordpolarmeer liefern.

Die Tara Polar Station greift dieses Prinzip auf, verfolgt jedoch andere wissenschaftliche Ziele. Statt geografischer Entdeckungen stehen heute langfristige Umweltbeobachtungen im Mittelpunkt. Die Forschungsplattform dient als nahezu emissionsarmes Labor, das monatelang mit dem Eis driftet und Untersuchungen in einem weitgehend ungestörten Naturraum ermöglicht.

JenaMedia – Veranstaltungstipp:

35 Jahre Mutabor – Alle Farben 14.11. im Kassa Jena

35 Jahre Mutabor - Alle Farben 14.11. im Kassa Jena. Foto: WS-Banner Kassa Jena
35 Jahre Mutabor – Alle Farben 14.11. im Kassa Jena. Foto: WS-Banner Kassa Jena

Universität Jena untersucht das mikrobielle Leben der Arktis

Die Arktis zählt zu den Regionen der Erde, die sich besonders schnell erwärmen. Welche Folgen diese Veränderungen für Mikroorganismen haben, ist bislang nur unzureichend erforscht. Dabei bilden genau diese Organismen die Grundlage nahezu aller biologischen Prozesse im arktischen Meer.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Georg Pohnert bringt ihre langjährige Expertise in der chemischen Ökologie mariner Mikroorganismen in das internationale Konsortium ein. Gemeinsam mit internationalen Partnern entwickelt das Team wissenschaftliche Fragestellungen für die Expedition und analysiert nach der Rückkehr der Forschungsplattform die gewonnenen Wasser-, Eis- und Organismenproben.

Prof. Dr. Georg Pohnert erklärt:

„Wenn wir verstehen wollen, welche Folgen die Erwärmung des Polarmeeres für das Funktionieren des gesamten polaren Ökosystems hat, müssen wir untersuchen, wie Mikroorganismen am Anfang der Nahrungskette auf die extremen Veränderungen reagieren. Die Tara Polar Station ermöglicht Forschung im vollkommen ungestörten Lebensraum, die unter den bisherigen Bedingungen auf großen Forschungsschiffen nicht möglich gewesen wäre.“

Er ergänzt:

„Die Station ist nahezu emissionslos und stört das natürliche Gleichgewicht in diesem empfindlichen Lebensraum deshalb kaum. Wir können so auch die empfindlichen natürlichen Wechselwirkungen der Organismen verfolgen und ein neues Bild der Arktis erstellen.“

Tara Polar Station. Foto:  Maéva Bardy
Tara Polar Station. Foto: Maéva Bardy

Mikroalgen spielen eine Schlüsselrolle für das globale Klima

Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt auf Mikroalgen und ihren Wechselwirkungen mit Bakterien. Obwohl diese Organismen mikroskopisch klein sind, besitzen sie eine enorme Bedeutung für das Leben auf der Erde.

Mikroalgen produzieren etwa die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs, bilden die Basis mariner Nahrungsketten und beeinflussen zentrale Stoffkreisläufe der Ozeane. Die Jenaer Forschenden untersuchen insbesondere, wie Mikroalgen unter extremen Bedingungen miteinander kommunizieren und sich an monatelange Dunkelheit, niedrige Temperaturen und Veränderungen des Meereises anpassen.

Bereits frühere Expeditionen der Arbeitsgruppe lieferten Erkenntnisse über bislang unbekannte Stoffwechselprodukte mariner Mikroalgen und deren Bedeutung für den globalen Schwefelkreislauf. Die Tara Polar Station ermöglicht nun erstmals Langzeitbeobachtungen direkt während der Eisdrift.

Ein Forschungslabor im arktischen Meereis

Anders als klassische Forschungsschiffe ist die Tara Polar Station speziell für langfristige Driftmissionen entwickelt worden. Nach dem kontrollierten Einfrieren bewegt sich die Plattform ausschließlich mit den natürlichen Strömungen des arktischen Meereises.

Während der Expedition werden zwölf Forschende über Monate hinweg Wasserproben, Eisbohrkerne sowie Atmosphären- und Umweltproben sammeln. Nach Abschluss der Mission werden die Proben an zahlreiche Forschungseinrichtungen in Europa verteilt und dort über viele Jahre hinweg wissenschaftlich ausgewertet.

Die während der Expedition gesammelten Daten sollen helfen, Veränderungen der Biodiversität, der Stoffkreisläufe und der mikrobiellen Lebensgemeinschaften besser zu verstehen. Langfristig sollen sie außerdem die Vorhersage von Klimafolgen für marine Ökosysteme verbessern.

Universität Jena beteiligt sich an internationaler Arktismission. Drohnenansicht der Tara Polar Station. Foto: Maéva Bardy
Universität Jena beteiligt sich an internationaler Arktismission. Drohnenansicht der Tara Polar Station. Foto: Maéva Bardy

Internationale Zusammenarbeit stärkt den Forschungsstandort Jena

Die Beteiligung der Friedrich-Schiller-Universität Jena unterstreicht die internationale Bedeutung des Forschungsstandorts im Bereich der mikrobiellen Ökologie, Bioanalytik und Umweltforschung. Gleichzeitig ergänzt das Projekt die Arbeiten des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“, der untersucht, wie mikrobielle Gemeinschaften Ökosysteme beeinflussen und auf Umweltveränderungen reagieren.

Unterstützt wird die Tara Polar Station von einem internationalen Netzwerk aus wissenschaftlichen Einrichtungen. Das auf rund 20 Jahre angelegte Forschungsprogramm soll kontinuierlich neue Langzeitdaten aus einer Region liefern, die für das globale Klimasystem von zentraler Bedeutung ist. Die Ergebnisse werden dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis und deren Folgen für weltweite ökologische Prozesse besser zu verstehen.

Weitere Informationen zur Mission und zur Forschungsplattform sind auf den offiziellen Projektseiten verfügbar:

Informationen zur Beteiligung der Friedrich-Schiller-Universität Jena finden sich unter:

Info, UNI Jena | Fotos, Maéva Bardy / Tara Ocean Foundation | Veranstaltungen im Eventkalender