Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig hat vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Jena in ihren Kreis neu aufgenommen.

Vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind am 10. April 2026 in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig aufgenommen worden. Die Wahl erfolgte im Rahmen der Frühjahrssitzung der traditionsreichen Gelehrtengesellschaft. Mit der Aufnahme werden herausragende wissenschaftliche Leistungen gewürdigt und die Bedeutung der Forschung aus Jena unterstrichen.

Die neuen Mitglieder sind der Kunsthistoriker Prof. Dr. Johannes Grave, der Indogermanist Prof. Dr. Martin Joachim Kümmel, die Geomikrobiologin Prof. Dr. Kirsten Küsel sowie die Chemikerin Prof. Dr. Birgit Weber. Während Grave, Kümmel und Weber als Ordentliche Mitglieder aufgenommen wurden, gehört Küsel der Akademie künftig als Korrespondierendes Mitglied an.

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Magisches Keimzeit-Album Ach, die Menschen. Konzert in Jena. Foto: Lilien Trujillo Viton

Wissenschaftliche Profile und Forschungsschwerpunkte

Die vier Forschenden stehen für unterschiedliche Disziplinen und spiegeln die fachliche Breite der Universität Jena wider. Johannes Grave, seit 2019 Professor für Neuere Kunstgeschichte, beschäftigt sich mit der Kunst um 1800, insbesondere mit der Romantik und dem Umfeld von Johann Wolfgang von Goethe. Darüber hinaus untersucht er bildtheoretische Fragestellungen sowie die europäische Malerei vom Quattrocento bis ins 19. Jahrhundert. Seine wissenschaftliche Arbeit wurde unter anderem mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet.

Jena-Forschende erhalten bedeutende Akademie-Auszeichnung. Der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Martin Joachim Kümmel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Jan-Peter Kasper // Universität Jena
Jena-Forschende erhalten bedeutende Akademie-Auszeichnung. Der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Martin Joachim Kümmel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Jan-Peter Kasper // Universität Jena

Martin Joachim Kümmel forscht auf dem Gebiet der Indogermanistik. Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Verwandtschaft indogermanischer Sprachen, die große Teile Europas und Asiens prägen. Dabei analysiert er insbesondere Lautsysteme, grammatische Strukturen und Wortschätze sowie Prozesse des Sprachwandels und Sprachkontakts.

Kirsten Küsel ist in der Geomikrobiologie tätig und untersucht mikrobielle Lebensgemeinschaften in Böden, Gewässern und im tiefen Untergrund. Im Fokus ihrer Forschung stehen biogeochemische Kreisläufe und die Anpassungsfähigkeit von Mikroorganismen an Umweltveränderungen. Sie ist Sprecherin des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ und wurde bereits in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen.

Die Mikrobiologin Prof. Dr. Kirsten Küsel  von der Friedrich-Schiller-Universität Jenawurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Anna Schroll // Universität Jena
Die Mikrobiologin Prof. Dr. Kirsten Küsel von der Friedrich-Schiller-Universität Jenawurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Anna Schroll // Universität Jena

Birgit Weber arbeitet im Bereich der Anorganischen Chemie. Ihre Forschung konzentriert sich auf Metallkomplexe und sogenannte schaltbare Spinzustände, die für Anwendungen in Sensorik, Katalyse und Datenverarbeitung relevant sind. Sie leitet ein Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Thema Spin-State Switching.

Die Chemikerin Prof. Dr. Birgit Weber von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Anne Günther / / Universität Jena
Die Chemikerin Prof. Dr. Birgit Weber von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Anne Günther / / Universität Jena

Bedeutung der Aufnahme für Wissenschaft und Region

Die Wahl in die Sächsische Akademie der Wissenschaften gilt als bedeutende wissenschaftliche Auszeichnung. Sie würdigt nicht nur individuelle Forschungsleistungen, sondern stärkt zugleich die Sichtbarkeit der jeweiligen Institutionen. Für die Universität Jena bedeutet die vierfache Aufnahme eine Bestätigung ihrer nationalen und internationalen Forschungsstärke.

Zugleich unterstreicht die Entscheidung die Rolle Jenas als wichtiger Wissenschaftsstandort in Deutschland. Die vertretenen Disziplinen reichen von den Geisteswissenschaften über die Sprachwissenschaft bis hin zu Naturwissenschaften und zeigen die interdisziplinäre Ausrichtung moderner Forschung.

Die Akademie selbst profitiert ebenfalls von der Aufnahme neuer Mitglieder. Durch die Integration aktueller Forschungsperspektiven wird der wissenschaftliche Austausch erweitert und vertieft. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen gewinnt der interdisziplinäre Dialog zunehmend an Bedeutung.

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Johannes Grave von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Jens Meyer // Universität Jena
Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Johannes Grave von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt. Foto: Jens Meyer // Universität Jena

Die Sächsische Akademie der Wissenschaften als traditionsreiche Institution

Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig wurde im Jahr 1846 gegründet und zählt zu den ältesten wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland. Sie versteht sich als Forum für den fachübergreifenden Austausch und fördert langfristige Forschungsprojekte, insbesondere im Bereich der Geisteswissenschaften.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten Akademienprogramm, das international sichtbare Forschungsprojekte bündelt. Die Mitgliedschaft in der Akademie ist mit hohen wissenschaftlichen Standards verbunden und wird nur an ausgewählte Persönlichkeiten verliehen.

Perspektiven und zukünftige Zusammenarbeit

Mit der Aufnahme der vier Jenaer Forschenden ist eine intensivere Zusammenarbeit innerhalb der Akademie zu erwarten. Die neuen Mitglieder bringen aktuelle Forschungsergebnisse und innovative Ansätze in die Arbeit der Gelehrtengesellschaft ein.

Langfristig kann dies zur Entwicklung neuer Forschungsprojekte und Kooperationen beitragen, die über institutionelle und disziplinäre Grenzen hinausreichen. Für die Universität Jena eröffnet sich damit die Möglichkeit, ihre wissenschaftliche Vernetzung weiter auszubauen und ihre Rolle im nationalen und internationalen Wissenschaftssystem zu festigen.

Die Entscheidung der Akademie verdeutlicht, dass exzellente Forschung aus Jena in unterschiedlichen Fachbereichen Anerkennung findet und maßgeblich zur Weiterentwicklung der Wissenschaft beiträgt.

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