Jena gedenkt an Enver Şimşek – 26 Jahre nach NSU-Mord

Am Enver-Şimşek-Platz in Jena-Winzerla hat die Stadt Jena am Freitag an die Opfer des rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) erinnert. Anlass war der 26. Todestag von Enver Şimşek, dem ersten Mordopfer der Terrorserie. Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche würdigte bei der Gedenkveranstaltung die Opfer und mahnte, die Aufarbeitung der NSU-Geschichte in Jena fortzusetzen.

Hintergrund: Der Mord an Enver Şimşek

Enver Şimşek, ein 38 Jahre alter Familienvater, wurde am 9. September 2000 an einem Blumenstand in Nürnberg von mehreren Schüssen getroffen. Zwei Tage später, am 11. September 2000, starb er an seinen Verletzungen. Sein Tod markierte den Auftakt einer Mordserie, der bis zum Jahr 2007 neun weitere Menschen zum Opfer fielen. Die Gedenkveranstaltung in Jena fand damit exakt 26 Jahre nach seinem Todestag statt.

26. Todestag von Enver Şimşek in Jena. Foto: Stadt Jena
26. Todestag von Enver Şimşek in Jena. Foto: Stadt Jena

Das NSU-Kerntrio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hatte sich in der rechtsextremen Szene Jenas radikalisiert, bevor es untertauchte und die Mordserie begann. Diese Vorgeschichte verleiht dem Gedenken in Jena eine besondere Bedeutung für die Stadt.

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Forschende entschlüsseln 2 Zustände molekularer Schalter

Forschende entschlüsseln 2 Zustände molekularer Schalter. Foto: Helmholtz-Zentrum Berlin
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Zentrale Fakten der Gedenkveranstaltung

Oberbürgermeister Thomas Nitzsche richtete bei seiner Rede den Blick ausdrücklich auf die lokale Verantwortung Jenas. Die Stadt müsse sich weiterhin mit der Frage auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen der NSU in Jena entstehen konnte.

„Wir müssen die Geschichte von Enver Şimşek und den anderen Opfern des NSU weitererzählen”, sagte Nitzsche.

Der Oberbürgermeister erinnerte zugleich an schwerwiegende Fehler der Ermittlungsbehörden im Zuge der Mordserie. Angehörige der Ermordeten seien lange Zeit selbst unter Verdacht gestellt worden, während ein rassistisches Tatmotiv nicht ausreichend verfolgt worden sei.

Im Anschluss an die Rede des Oberbürgermeisters hielt die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Die Linke) eine Gedenkrede. König-Preuss engagiert sich seit vielen Jahren für die Aufarbeitung des NSU-Komplexes.

JenaMedia – Veranstaltungstipp:

19. Jenaer Big Band Ball 2026 – Swing & Tanz im Volkshaus 31.10.2026

Jenaer Big Band Ball Foto: Alexandra Münch
Jenaer Big Band Ball Foto: Alexandra Münch

Bedeutung und Auswirkungen für Jena

Für die Stadt Jena bleibt die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex ein andauernder Prozess. Oberbürgermeister Nitzsche kündigte für den Herbst weitere Veranstaltungen und Ausstellungen an. Zudem sollen wissenschaftliche Ergebnisse zum Umfeld des NSU in der Saalestadt vorgestellt werden. Damit setzt Jena die begonnene Aufarbeitung der eigenen Stadtgeschichte im Zusammenhang mit dem rechtsextremen Terrornetzwerk fort.

Jena gedenkt Enver Şimşek: 26 Jahre nach NSU-Mord. Foto: Stadt Jena
Jena gedenkt Enver Şimşek: 26 Jahre nach NSU-Mord. Foto: Stadt Jena

Der Enver-Şimşek-Platz als Ort der Erinnerung

Der Enver-Şimşek-Platz in Winzerla wurde vor sechs Jahren eingeweiht, gemeinsam mit der Witwe und den Kindern von Enver Şimşek. Die dortige Gedenktafel erinnert stellvertretend an alle zehn Menschen, die dem NSU zum Opfer fielen. Der Platz ist damit zu einem festen Ort des jährlichen Gedenkens in Jena geworden, an dem Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam an die Opfer erinnern.

Mit den für den Herbst angekündigten Veranstaltungen, Ausstellungen und der Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse will Jena die Aufarbeitung der NSU-Geschichte in der Stadt weiterführen. Die Gedenkfeier am Enver-Şimşek-Platz bleibt dabei ein zentraler jährlicher Fixpunkt, um die Erinnerung an Enver Şimşek und die neun weiteren Opfer des NSU wachzuhalten.

NSU-Gedenkveranstaltung Jena-Winzerla 2026. Foto: Stadt Jena
NSU-Gedenkveranstaltung Jena-Winzerla 2026. Foto: Stadt Jena

NSU

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war ein rechtsterroristisches Netzwerk, das über mehr als ein Jahrzehnt hinweg in Deutschland agierte und dessen Verbrechen sowie die behördlichen Fehlleistungen bis heute politische und gesellschaftliche Debatten prägen. Zwischen 1998 und 2011 verübte die Gruppe eine Serie von Morden, Anschlägen und Raubüberfällen, die sich gezielt gegen Menschen mit Migrationsgeschichte richteten. Die Taten wurden lange Zeit nicht als rechtsextrem motiviert erkannt, was zu gravierenden Ermittlungsfehlern und einer tiefen Verunsicherung bei den betroffenen Familien führte.

Im Zentrum des NSU standen drei Personen aus Jena: Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Sie radikalisierten sich in der ostdeutschen Neonazi-Szene der 1990er Jahre und tauchten 1998 unter, nachdem die Polizei in einer von ihnen genutzten Garage Sprengstoff entdeckt hatte. Unterstützt von einem breiten Netzwerk aus rechtsextremen Sympathisanten lebten sie über Jahre im Untergrund, hauptsächlich in Sachsen.

Die Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 offenbarte nicht nur das Ausmaß ihrer Gewalt, sondern auch strukturelle Probleme innerhalb der Sicherheitsbehörden. Bis heute gilt der NSU-Komplex als eines der schwerwiegendsten Beispiele für rechtsterroristische Gewalt und institutionelles Versagen in der jüngeren deutschen Geschichte.

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